Elli Addison oder Dr. House, die zweite

Unsere Elli hat ja ihr Bein verloren. Während der langen Zeit des Kampfes hatte sie immer schon schlechte Blutwerte. Die jedoch erklärbar waren.

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Die Zahl ihrer roten Blutkörperchen war stark verringert, sie war schlapp, lustlos und schnell am Hecheln. Als nun ihr Bein ab war, haben wir nach vier Wochen erneut einen Test gemacht. Die Ergebnisse sollten eigentlich gut sein, waren aber immer noch schlecht.

Nun fing mein Mann doch an, sich Sorgen zu machen. Bisher waren die Werte immer erklärbar gewesen. Aber jetzt gabe es eigentlich nichts mehr, was das Knochenmark hätte beeinflussen können.
Es begann die große Suche: Wir schickten Blut ins Labor und bestimmten verschiedene Paramter, diverse Mittelmeerkrankheiten – aber alles erfolglos. Schließlich erstellten wir am White Board eine Liste und arbeiteten uns wie Dr. House von den wahrscheinlichsten Diagnosen zu den unwahrscheinlichsten durch. Schließlich machten wir einen ACTH-Test. Dabei nimmt man Blut, gibt ein bestimmtes Medikament und nimmt wieder Blut ab. Das Ergebnis war eindeutig: Elli hat Morbus Addison, jedoch eine atypische Form.
Derzeit bekommt sie nun Cortison und wir stehen in Kontakt mit einem Spezialisten in den USA, um die genaue Therapie zu erfahren. Was man allerdings jetzt schon sagen kann: Elli ist ein neuer Hund. Sie ist gut drauf, hat Spaß, läuft super mit und ist hochmotiviert.
Wir freuen uns sehr, dass wir jetzt endlich wissen, was mit ihr los ist. Und auch wenn sie jetzt nur noch drei Beine hat und zudem eine chronische Erkrankung: Unsere Elli genießt ihr Leben in vollen Zügen. Es macht einfach gute Laune, ihr dabei zuzusehen!

In diesem Sinne
Ihre Tierarztfrau

Turteltäubchen

Als Tierarztfrau bin ich per se Tier-vernarrt. Das hatte natürlich bereits in meiner Kindheit seinen Ursprung und lag vor allem daran, dass meine Eltern alle möglichen Tiere gehalten haben; unter anderem: Tauben. Und da ja doch viele Menschen besonders die Stadttauben als störend empfinden, möchte ich heute eine Lanze brechen für alle Tauben. Hier kommt eine Geschichte meiner Mutter.

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Meine Mutter hat früher Tauben gehalten. Besonders stolz war sie auf eine kleine weiße Taube mit Federfüßen. Sie war eine gute Brüterin und einfach hübsch anzusehen. Als meine Mutter eines Morgens den Schlag geöffnet hat und ihre Schar abhob, sah sie, dass noch ein anderer Schwarm vorbei flog. Abends bemerkte sie dann, dass die kleine weiße Taube nicht da war. Sie konnte sich denken, dass diese vermutlich fälschlicherweise mit dem anderen Schwarm abhanden gekommen war. Aber was konnte sie da machen?

Am nächsten Tag kam der Schornsteinfeger. Sie kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er ebenfalls Tauben hielt. Meine Mutter klagte ihm ihr Leid mit der verlorenen Taube. Er fragte nach, wie sie denn aussähe und verabschiedete sich.
Ein paar Tage gingen ins Land, bis es eines Morgens an der Tür klingelte. Da stand der Schornsteinfeger, in einem Karton die kleine weiße Taube. Es war sein Schwarm gewesen, der vorbei geflogen war. Meine Mutter hat sich sehr gefreut.

Als sie dann aber die kleine Taube in den Schlag brachte, passierte etwas sehr rührendes. Ihr Täuberich sah seine kleine Taube, stutzte, erkannte sie und freute sich, wie man es sich nicht vorstellen kann. Er tanzte um sie herum, balzte sie an, gurrte und man konnte ihm seine unbändige Freude ansehen. Das Pärchen war wieder vereint und verliebt bis über beide Taubenohren.

Ich fand die Geschichte richtig rührend. Und wenn ich Tauben nicht sowieso schon genauso viel wert fände wie alle anderen Lebewesen, dann wäre es spätestens ab dem Moment so, als ich diese Geschichte gehört habe. Vielleicht geht es Ihnen ja auch so.
Und wenn Sie eine verletzte Taube sehen, gehen Sie nicht daran vorbei. Packen Sie sie ein und bringen Sie sie zum Tierarzt.

In diesem Sinne
Ihre Tierarztfrau

Helikoptereltern 2.0

Wir sind umgezogen innerhalb Bonns. Da wir mit Murkel bisher nie große Schwierigkeiten mit der Eingewöhnung hatten, haben wir in nach drei Wochen raus gelassen. Und schwupps, war er weg. Vier Tage lang haben wir ihn gesucht, ich habe bei sämtlichen Anwohnern Zettel in den Briefkasten geschmissen und war jeden Abend rufend unterwegs. Nach vier Tagen hat mein Mann ihn an unserem alten Haus aufgegabelt. Wir waren überglücklich. Murkel weniger, denn er hatte natürliche erstmal Hausarrest.
Nach weiteren zwei Wochen war klar, dass wir nicht ewig warten konnten. Ein unentspannter Kater im Haus macht einfach keinen Spaß. Wir besorgten einen GPS Anhänger. Das Ding ist leider riesig, aber Murkel trägt es mit Würde. Jetzt stalken wir ihn regelmäßig, wenn er abends unterwegs ist. Und tatsächlich treibt ihn sein eigenes GPS doch immer wieder Richtung altes Zuhause, wenn auch nicht mehr so weit und so dramatisch. Dennoch ist es für Murkel jedes Mal eine riesige Überraschung, wenn wir ihn abends irgendwo aus unserem Viertel abholen und nach Haus geleiten. Ich glaube, er hält uns mittlerweile für Ortungsgötter. Und das GPS funktioniert tatsächlich auf den Meter genau.
So geht heute Helikoptereltern!

In diesem Sinne
Ihre Helikopter-Tierarztfrau

Dreibein Elli

Elli hat jetzt nur noch drei Beine. Und das nach mehr als einem halben Jahr Kampf…

Und das ist die Geschichte: Elli übernahmen wir aus dem Tierheim Bonn mit falsch zusammengewachsenem Bein. Es stand außer Frage, dass entweder das Bein abgenommen würde oder wir versuchen, es operieren zu lassen. Wir fanden einen orthopädische Chirurgen, der sich rangetraut hat.
Die OP lief gut, allerdings hat sich dann ein multiresistenter Keim in der Wunde und vor allem im Knochen angesiedelt. Wir gaben Antibiose, die bei Elli jedoch zu Nierenversagen führte. Daraufhin hing sie knapp zwei Wochen am Dauertropf. Die Nieren waren danach wieder okay, aber die Antibiose konnten wir nicht mehr geben. Ellis Bein war daher die ganze Zeit leicht entzündet. Diese Entzündung sorgte nach circa drei Monaten dafür, dass die Anzahl ihrer roten Blutkörperchen rapide sank. Dementsprechend mussten die Platten aus ihrem Bein entnommen werden, auf denen sich ein Biofilm befand, der das Medium für die Bakterien war. Die Platten kamen raus. Alles schien gut zu sein.
Drei Wochen später spielten jedoch wieder Ellis Blutwerte verrückt und wir konnten uns einfach nicht erklären, was los war. Eine seltene Eurasier-Erkrankung? Ein Virus? Bis mein Mann das Bein anfasste und fassungslos feststellte, dass es wieder gebrochen war. Der Keim hatte das Knochenwachstum gehemmt, so dass die Stelle brüchig geworden war.
Erneut fuhren wir zum dem Chirurgen, der nun als letzte Chance einen externen Fixateur draufsetzte, das ist ein Gestell von außen. Letzte Woche, Wochen danach, war das Bein leider überhaupt nicht geheilt, innen löste es sich weiter auf und Elli war ganz schlecht gelaunt. Daher entschieden wir uns, nach langem Kampf, das Bein nun doch abzunehmen.
Elli geht es heute gut, die Wunde heilt bisher sehr schön, sie hüppelt durch die Gegend und nach dem Fäden ziehen fahren wir zur Physiotherapie, um möglichst früh Halteschäden vorzubeugen. Auf der einen Seite ist das sehr traurig, wenn ich allerdings Elli anschaue, scheint es für sie weitaus weniger schlimm zu sein.
Wir lieben unser Dreibein genauso wie vorher, passen jetzt nur ein paar Gegebenheiten an: Hundebuggy für längere Strecken, Massage und Physio, eventuell ein paar Antirutschmatten im Haus.
Und da alle so besorgt und rührend nach Ellis Bein gefragt haben, wollte ich hier einfach mal alles aufschreiben. Danke für die Anteilnahme.

Ihre Tierarztfrau

Elli Forelli

Unsere Hündin Elli, seit einem halben Jahr neu in der Gruppe, kommt aus Rumänien. Sie wurde vom Tierheim Bonn in unserer Praxis vorgestellt, weil sie humpelte. Ich habe mich daraufhin spontan verliebt, vier Wochen auf meinen Mann eingeredet und voilá – Elli zog ein.
Wir waren sehr gespannt, wie sie alles meistern würde. Wir wussten gar nichts darüber, was sie alles kann oder eben nicht. Odin hat ihr allerdings alles sehr schön vorgemacht und unser sanftes Mädchen hat sich meisterhaft eingelebt. Die ganzen Geschichten von wegen Müll ausräumen, Futterneid, Unarten etc waren bei Elli nicht vorhanden. Dachten wir…

Eines Abends habe ich unseren Tisch gedeckt mit wunderbarem Käse, Brot, zwei Gläsern Wein und – Forelle. Ich bereitete noch Tomaten mit Mozzarella vor und als ich damit um die Ecke kam, stand Elli mitten auf dem Esstisch. Nicht nur ein bißchen halb drauf oder sowas – nein, alle viere und fraß die ganze Forelle. Sie hat sofort verstanden, dass ich das nicht besonders gut fand und machte sich flugs vom Tisch runter. Als mein Mann dann noch nachts die Küchentür aufgelassen hatte, hat sie das einzige Mal im Müll gewühlt und ist dann selig mit dem Forellenpapier im Körbchen eingeschlafen.
Elli Forelli eben!

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Zwei Katzen im Wald

Als mein Mann und ich mit unseren Hunden in der Waldau spazieren waren, haben wir uns getrennt, da Elli (unser zweiter Hund)  mit ihrem operierten Bein noch nicht weit gehen konnte und wollte. Als wir uns dann wieder trafen, erzählte mein Mann mir, dass er gerade etwas sehr komisches gesehen hätte. Ich war gespannt. Er meinte, er hätte gerade einen Mann gesehen, der zwei Katzen in zwei Transportkörben durch den Wald getragen habe. Er war so perplex gewesen, dass er einfach weiter gegangen ist. Ich habe ihm Vorwürfe gemacht und wir sind sofort mit flottem Schritt hinterher, um den Mann sozusagen „auf frischer Tat“ zu ertappen. Wir waren uns sicher, dass er die Katzen irgendwo aussetzen wollte. Im ersten Anlauf fanden wir ihn jedoch nicht. DAS war für uns natürlich noch verdächtiger. Wir fassten den Entschluss, nochmal Richtung Wildgehege detektivisch tätig zu werden und wollten ihn einkreisen. Ich ging von der einen Seite rum, mein Mann von der anderen. Ich stellte mich im Wald sogar noch auf ein paar Bänke, um zu sehen, ob sich jemand im Dickicht rumtrieb. Schließlich sah ich meinen Mann von weitem heftig winken. „Komm schnell,“ rief er mir zu. „Da ist er“, und zeigte in Richtung Hirschgehege. Und richtig, da stand ein Mann, in jeder Hand einen Katzenkorb. Ich stürmte auf ihn zu und „stellte“ ihn vor dem Rotwild. „Haben Sie da Katzen in den Körben?“ fragte ich ihn, noch mit ausreichender Contenance, um nicht sofort angreifend zu wirken. Er blickte mich erstaunt an. „Ja, das sind meine Katzen. Ich führe sie jeden Tag spazieren. Wissen Sie, ich komme vom Laggo Maggiore und bin hier für 14 Tage zu Besuch. Da kann ich sie ja nicht rauslassen. Damit sie trotzdem rauskommen, gehe ich jeden Tag mit Ihnen eine Stunde rum. Dann sind sie entspannter.“ Das alles trug er mit einem italienischem Akzent und so selbstverständlich vor, dass ich ihm zu 100% glaubte. Darüber hinaus waren wir bereits ein paar Mal in Norditalien mit Odin zu Besuch und das war stets ein Schaulaufen. Norditaliener sind verrückt mit ihren Tieren, liebevoll gemeint. Daher war ich sofort überzeugt, dass er die Wahrheit sagte. Ich erklärte ihm noch leicht stotternd, dass ich gedacht hätte, er würde die vielleicht irgendwo abstellen wollen. Daraufhin war nicht mal beleidigt, sondern erklärte nur, dass das doch seine Lieblinge seien. Wir zogen von dannen.
Als wir Revue passieren ließen, wie wir da durch den Wald geschlichen waren, um einen Katzenaussetzer einzukreisen und zu stellen, mussten wir dann doch herzlich lachen. Ich hoffe sehr, dass dieser Norditaliener in Bonn noch viele schöne Plätze mit seinen Katzen besucht hat. Von detektivischem Vorgehen sehen mein Mann und ich erstmal ab.

In diesem amüsierten Sinne
Ihre Tierarztfrau

Rund um die Kaninchen

Bei uns in der Praxis bekommen wir viele Geschichten mit rund um unsere Patienten. Ein paar davon möchte ich Ihnen heute vorstellen. Dabei geht es heute nur um Kaninchen.

Eine unserer Kaninchenhalterinnen hat lange das Dasein der damals noch dem Nachbarn zugehörenden Kaninchen beobachtet. Bei Wind und Wetter standen diese in ihrem kleinen Verschlag draußen, ursprünglich angeschafft zur Unterhaltung, dann aber doch als langweilig beseite geschoben und vernachlässigt. Frau W., die Heldin dieser Geschichte, konnte sich das jedoch nicht lange ansehen. Der Regen schlug direkt in den Stall der beiden wunderschönen Knopfäuglein und sie saßen zusammengekauert bei Gewitter auf nassem Heu und Stroh. Frau W. holte die beiden daraufhin in ihre Wohnung und sprach mit der Nachbarin ein ernstes Wort. Diese gelobte Besserung, die jedoch – wie unerwartet  – nicht eintrat. Beim nächsten Sturm passierte genau das gleiche, nämlich nichts. Frau W. überredete daraufhin die Nachbarin, sie auf die Kaninchen aufpassen zu lassen. So ging es eine Zeit. Als Frau W. jedoch auszog, nahm sie die Kaninchen einfach mit und diese gehören jetzt ihr. Die ehemalige Nachbarin hat nie mehr nach den Kaninchen gefragt, so dass man davon ausgehen kann, dass der Fall damit abgeschlossen ist. Hier hat sich also alles zum Besten gewendet und ich freue mich sehr, dass es couragierte Menschen gibt, die sich kümmern!

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Ganz anders ein Fall, der mich unglaublich traurig gemacht hat. Während eines unserer Notdienste kommt eine Frau mit ihrem Kaninchen zu uns. Dem würde es nicht so gut gehen. Die Dame, schick, wie aus dem Ei gepellt, hochhackige Schuhe mit Goldrand und geschmackvoll geschminkt, alles in allem eine sehr gepflegte Erscheinung. Das Kaninchen, riesige eiternde Wunde im Gesicht, der gesamte Hintern getränkt von Urin und Kot, stank zum Himmel. Sie wollte eigentlich „der Natur ihren Lauf lassen“, aber ihre Familie habe sie gedrängt, zum Tierarzt zu gehen. Dieses Kaninchen konnten wir nur noch erlösen. Und zum ersten Mal habe ich nicht geweint, weil wir das Leben des Kaninchens beendet haben, sondern weil es bis dahin so elend leben musste. Das war mein traurigster Fall in der Praxis in 2016!

Umso schöner, um noch etwas richtig Gutes zu erzählen, war wieder das Engagement einer unserer Tierhalterinnen. Eine Familie hielt ein Kaninchen, als dies nicht mehr fraß und irgendwann wohl auf der Seite lag, haben sie es in einem Karton auf den Balkon gestellt in der Annahme, es sei tot. Unsere Kundin bekam das bei einem Besuch mit und merkte, dass sich in dem Karton aber noch etwas tat, das Tier scharrte noch. Unsere Kundin schnappte sich daraufhin das Kaninchen und kam umgehend zu uns. Ich habe noch nie ein Kaninchen gesehen, das so abgemagert war. Man konnte sämtliche Rippen abtasten. Bei uns konnten wir nichts feststellen, was auf etwas anderes als eine Unterernährung schließen ließ. Ein paar Tage, nachdem das Kaninchen umgezogen war, ging es ihm gut und es fraß gut und nahm wieder zu. Es wurde dann von unserer Kundin weiter vermittelt. Und auch hier muss ich sagen, wie schön, dass sich Menschen kümmern und nicht wegsehen!