Drei Katzen – drei Schicksale

Was für eine merkwürdige Woche. Da kommen gleich drei herrenlose Katzen zum Chip auslesen in unsere Praxis und alles geht ganz anders aus als ich erwartet habe. Doch der Reihe nach:

  1. Fundkatze „Tippi“
    Tippi fand sich bei ehemaligen Katzenbesitzern auf der Terrasse ein und ging nicht mehr weg. Und das für sehr lange. Schließlich fütterten sie sie doch, gewannen ihr Vertrauen und brachten sie zu uns, damit der Chip ausgelesen werden konnte. Und siehe da: Sie war gechipt, aber nicht registriert. Da machte ich mich auf die Suche und kam über diverse Nummern, Händler, Zwischenhändler schließlich zum Tierheim Troisdorf. Doch was für ein Pech, die Nummer war dort nicht registriert, vermutlich aufgrund eines Systemwechsels. So gibt es auch nach aufwendiger Bildrecherche keine Möglichkeit, Tippi zu ihren Besitzern zurück zu bringen. Auch eine Überschneidung zwischen der eventuellen Suche der Besitzer (Tierheim, Tasso, Facebook, Aushänge) und der „Gefunden“-Meldung durch die neuen Halter (Tierheim, Tasso, Facebook, Aushänge) gab es nicht. Nun bleibt Tippi bei ihren neuen Haltern. Diese sind sehr katzenlieb und -erfahren. Tippi hat sich genau die Richtigen gesucht.
  2. Fundkatze „Micco“
    Micco wurde uns durch zwei Damen gebracht, denen er am gleichen Tag zugelaufen war. Er war gechipt und registriert, die Telefonnummer jedoch nicht mehr aktuell. Die Adresse führte jedoch zum Ziel: Die Finderinnen gaben Micco daheim ab und alle waren glücklich.
  3. Fundkatze „Milka“
    Milka wurde uns durch einen Finder gebracht, der sie fütterte und bei dem sie gelegentlich Unterschlupf fand. Wir wollten den Chip auslesen und bereits beim Herausnehmen aus der Transportbox fiel uns auf, dass diese Katze mit ziemlicher Sicherheit eine Schilddrüsenüberfunktion hat. Wir konnten den Bringer überreden, dass er zumindest diesen Wert testet und siehe da: Die Werte waren völlig außer Kontrolle. Nun stellte sich heraus, dass der Bringer Milka zwar gerne behalten hätte, es aber nicht garantieren konnte, sie regelmäßig mit ihrem Schliddrüsenmedikament zu versorgen. Wir vereinbarten, dass ich mich auf die Suche nach den eigentlichen Besitzern machen würde und wenn das nichts ergäbe, dass Milka bei uns einziehen dürfe. (Ich gestehe, ich habe ein großes Herz für Ömchen, deren tüddeliger Charme ist einfach umwerfend.) Sonntags machten mein Mann und ich uns dann auf Weg und hingen in der Streunergegend von Milka Zettel auf. Zufällig traf ich eine Frau, die die Katze und ihre Halter kannte. Ich klingelte und die Halter waren daheim. Es zeigte sich, dass Milka vor ein paar Monaten ausgezogen war und dort nicht mehr leben wollte. Eine Rückführung war nicht gewollt und sie gaben Milka frei. Nächste Woche zieht sie dann bei uns ein. Je nachdem, wie sich ihre Blutwerte weiter zeigen, vermitteln wir sie dann noch in ein schönes Zuhause oder sie darf ihre letzte Zeit bei uns verbringen.sdr

Was zeigen diese Geschichten: Manchmal bringt auch sehr viel Mühe kein Ergebnis oder ein anderes Ergebnis als man erwartet, aber man muss es versuchen. Und: Chippen und registrieren ist das einzig sinnvolle für Streuner!

In diesem Sinne
Ihre bald dreifache Katzenhalter-Tierarztfrau

Ziggy, unser Hippie-Kater

Nachdem unser Kater Anton vor ein paar Monaten verstorben ist und der verbliebene Murkel sehr unter Einsamkeit litt, hatten wir uns entschlossen, einen neuen Kater dazu zu nehmen. Im Tierheim Remagen wurden wir fündig und am 18. April zog Ziggy bei uns ein:

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Er lebt jetzt also fast vier Monate bei uns und aus dem anfangs etwas unsicherem, kleinen Kerl ist ein frecher Spring-ins-Feld geworden. Nachdem er nun auffällig oft von seinen Streifzügen durch die Reihenhaus-Nachbarschaft mit vollem Bauch nach Hause kam, habe ich allen Nachbarn einen Zettel eingeschmissen mit der Bitte, ihn nicht zu füttern.

Daraufhin kamen einige Nachbarn auf uns zu. Er besucht alle Häuser gleichermaßen. Dabei raubt er an fressbarem, was gerade so rumliegt. In einem Haus besucht er seine neue Katzenfreundin und putzt nebenbei deren Napf leer. Danach sucht er sich irgendwo ein chilliges Plätzchen und döst vor sich hin bis wir wieder nach Hause kommen. Er scheint zwar zu wissen, dass wir seine „Home base“ sind, aber die restlichen Häuser gehören auf alle Fälle fest zu seinem Wohnsitz, in Ziggys Welt also quasi seine Kommune. Wie es sich für einen Ziggy (benannt nach Ziggy Stardust) als guten Hippie eben gehört.

In diesem Sinne eine chillige Restwoche,
Peace, love and harmony
Ihre Tierarztfrau

Kulinarisches Gedächtnis

Meine Freundin hat mir erzählt, sie hätte ein kulinarisches Gedächtnis. Für sie bedeutet das, dass sie sich noch an jedes außergewöhnlich leckere Essen seit ihrer Kindheit erinnern kann. Was hat das mit Tieren zu tun?
Mein Mann hatte unsere beiden Hunde zweimal mit zum Supermarkt bei uns um die Ecke. Dort lagen im Gebüsch verrottete Eier. Elli wollte die natürlich unbedingt fressen. Nachdem sie zweimal weggezerrt wurde, hat sich das wohl in ihr Gedächtnis gebrannt. Am kommenden Samstag frage ich auf einmal meinen Mann, wo denn die Elli sei. Er wusste es nicht. Intensive Suche in Haus und Garten: keine Elli. Da haben wir die ganze Gegend abgesucht. Schließlich hatte eine junge Dame sie an der Leine. Ich eilte zu den beiden. Es ist leicht zu erraten, wo sie Elli gefunden hatte: vor dem Supermarkt, beim Fressen der uralten Eier erwischt. Das nenne ich ein kulinarisches Gedächtnis! Und bisher wurde aus Elli trotz der Eier noch keine Salmon“elli“, puh!

In diesem Sinne,
Ihre Tierarztfrau

Taubenheldin des Alltags

Ich berichte immer gerne über die Helden und Heldinnen des Alltags, da ihnen zu wenig gedankt wird. Daher ist diese Geschichte für eine besondere junge Frau.

Uns rief vor ein paar Tagen besagte junge Frau an, sie habe eine verletzte Taube gefunden und fragte, ob sie sie uns bringen kann und wie sie am besten vorgehen soll. Nach einigem hin und her stellte sich heraus, dass sie in der Nordstadt unterwegs war und dort die Taube gefunden hatte. Sie organisierte gemeinsam mit einer Freundin einen Karton, setzte die Taube in ihre Jacke in den Karton und fuhr mit der Straßenbahn bis zu uns in Kessenich. Vorher hatte sie extra noch Geld abgehoben, da sie nicht wusste, dass Wildtiere von jedem Tierarzt kostenfrei behandelt werden (zumindest ist das bei uns so). Zusätzlich hat sie noch ihre erste Schulstunde geopfert, um der Taube zu helfen. Als sie schließlich bei uns ankam, war die Taube deutlich schlimmer verletzt, als sie anfangs dachte, so dass wir sie nur erlösen konnten. Dennoch hat diese junge Frau mehr getan, als viele andere Menschen – besonders in Bezug auf Tauben: Sie hat sich gekümmert.

Tauben liegen mir sehr am Herzen, daher, liebe Leser: Wenn Sie eine verletzte Taube sehen, gehen Sie nicht weiter, kümmern Sie sich. Im Zweifelsfall: Rufen Sie uns an. (Das gilt natürlich auch für andere Tiere.)

In diesem Sinne
Ihre Tauben-und Tier-vernarrte Tierarztfrau

Frau R., Alltagsheldin

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Heute erzähle ich Ihnen eine schöne Geschichte über eine Alltagsheldin. Frau R. war lange bei uns Kundin mit ihrer Katze. Als diese verstarb, hielten wir Kontakt und trafen uns vereinzelt.
An einem Donnerstag kündigte sich bei uns eine Frau mit ihrem totkranken Hund an für eine zweite Meinung. Als sie reinkam, war sie in Begleitung von Frau R. Ich ging zuerst davon aus, dass die beiden sich kannten. Als die Kundin mit ihrem Hund in der Behandlung war, fragte ich Frau R. daraufhin, woher die beiden sich denn kannten.

Da erzählte sie mir, dass die Dame ihr gänzlich unbekannt sei. Sie hatte sie jedoch auf Straße gesehen, als sie heulend und verzweifelt versuchte, ihren Hund auf dem Rad zu uns zu bringen. Kurzerhand hatte Frau R. mit ihrem Mann angehalten, die Frau samt Hund ins Auto geladen und zu uns gefahren. Und nicht nur, dass sie sie zu uns gebracht hatte – das alleine wäre ja schon unglaublich nett – sie blieb auch noch bis zum Ende der Behandlung und begleitete die Frau auf dem letzten Weg ihres Hundes. Denn leider sah die zweite Meinung meines Mannes genauso aus, wie die Meinung des ersten behandelnden Arztes, woraufhin die Halterin und mein Mann gemeinsam entschieden, den Hund gehen zu lassen.

Frau R. hat sich großartig um diese, ihr fremde Frau gekümmert. Das verdient eine eigene Blog-Geschichte. Vielleicht war das für Frau R. keine große Sache, so, wie ich sie kenne, wird das für sie selbstverständlich gewesen sein. Aber für die Halterin war sie ein einfühlsamer Mensch und Halt, so dass sie die Situation nicht alleine meistern musste. Die Welt braucht mehr Frau Rs.

In diesem Sinne,
Ihre Tierarztfrau

Katze, wechsel Dich

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Es ist ja allgemein bekannt, dass Katzen gelegentlich mehr als einen Besitzer haben. Auch wenn diese nicht untereinander voneinander wissen. So einem Fall live zu begegnen, war uns vergönnt:

Familie Meier (Namen geändert) kam mit einem vermeintlichen Fundkater zu uns, der ihnen zugelaufen war. Sie hatten ihn schon längere Zeit versorgt und er war bei Ihnen eingezogen. Als sie mit dem Kater ankamen, fiel unserer Gabi direkt auf, dass sie den Kater kannte. Wir lasen den Chip ab und er war bei Tasso registriert, jedoch nicht als vermisst gemeldet. Gabi überlegte und wir prüften unsere Datenbank nach dem Namen des Katers. Und siehe da: die Besitzerin war tatsächlich Kundin bei uns und auch mit dem Kater bereits in unseren alten Räumen zu Besuch gewesen. Wir konnten sie erreichen und sie schloss sich mit den neuen Pateneltern kurz. Sie hatte zwei Katzen und die verstanden sich nicht mehr, so war es gekommen, dass der eine nur noch gelegentlich zu Besuch kam. Er hatte sich selbst eine neue Familie gesucht.

Gabi kam schließlich auf die Idee, ihr Handy zu durchsuchen. Siehe da, sie hatte Konrad vor unserer Praxis bereits fotografiert. Auf der Suche nach einer neue Familie war er auch öfter bei uns vorbei gekommen. Eine Tierarztpraxis war ihm aber wohl doch nicht so geheuer. 🙂

In diesem Sinne einen guten Start in die Woche
Ihre Tierarztfrau

Da ist doch was im Busch

Murkel läuft immer noch in unser altes Zuhause zurück, wenn er nachts länger draußen ist. Das verhindern wir, indem er abends ab einer bestimmten Zeit drin bleibt. Nun hatten wir aber mal wieder an einem Samstag Besuch und haben unsere neuen Weine probiert. Es war ein lustiger Abend. Murkel hatte vorsorglich sein Halsband an. Einer unserer Gäste hatte ein Zelt im Garten stehen und ging wohl einige Zeit abends noch ein und aus. Dabei ist Murkel vermutlich wieder entwischt. Wir konnten am nächsten Morgen sehen, wo er war: am alten Haus.
Mein Mann, dem es nach der Weinprobe mittelmäßig ging, machte sich mit Katzenkorb auf den Weg. Da Murkel das Prozedere durch einige vorhergegangene Einfangaktionen aber bereits kannte, hatte ich meinem Mann vorsorglich gesagt, dass er den Korb nicht zeigen solle.
Er fuhr los und fand Murkel auf einem offenen Grundstück. Er sah Murkel und Murkel sah ihn – und kroch in die Büsche…. und mein Mann hinterher…nach einer Weinprobe. Die Laune stieg nicht gen Himmel. Schließlich gab er auf und stellte sich an das Haus nebenan und rief nach Murkel. Irgendwann kam eine Frau heraus und fragte sehr entnervt, was er denn suche. „Meine Katze“, war die Antwort. „Die ist hier nicht“, teilte ihm die Frau mit. Daraufhin gab mein Mann auf und fuhr nach Hause. Er wusste natürlich, dass Murkel da war. Aber gegen diese unbestechliche Logik war kein Kraut gewachsen.

Murkel
Das Ende vom Lied? Ich fuhr eine Stunde später hin und sammelte Murkel ein. Ich tat uninteressiert und ging Richtung altem Haus und rief ihn nur, dass er wusste, dass ich mich fort bewege. Vor dem alten Haus stand ich dann mit der Leckerchendose und habe gerappelt. Überflüssig zu sagen, dass er sofort da war. Den Trick dabei habe ich meinem Mann aber bisher nicht verraten. Heim kam ich als große Heldin. 🙂

Ihre Tierarztfrau