Unser Jahr 2022

Anfang 2022 hatte ich meine Kollegen gefragt, welche Geschichten sie besonders bewegt haben. Das habe ich natürlich jetzt auch wieder getan. Diese Geschichten sind dabei raus gekommen.

Dr. Bindl: Mein positivster Eindruck des Jahres ist ein kleiner Maltipoo Rüde Billy, den ich schon seit vielen Jahren kenne. Er litt an chronischem Durchfall und engmaschig wiederkehrendem Erbrechen, das sowohl für Billy als auch seine Besitzerin zahlreiche Medikamentengaben und umfangreiche Diätmaßnahmen erforderten.


Im Frühjahr gelang uns endlich die Diangnosstellung für Billy. Mit einfachen Maßnahmen und Futtersupplementen geht es Billy nun deutlich besser und er kann einfach Hund sein.

Martina Schütze, Auszubildende im 2. Jahr: Für mich hat der tapfere Kater „Blitz“ einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Ankunft mit dem verunglückten Kater in unserer Praxis war emotional. Wir wissen bis heute nicht, was genau passiert ist. Aber er scheint irgendwo mit dem Hinterbein hängen geblieben zu sein und hat sich fast die komplette Haut, Ballen und Krallen am Bein abgezogen. Der Blick auf die offene Wunde und die verdrehten Zehenballen haben ja zuerst eine drohende Beinamputation vermuten lassen. Um so schöner das Mitwirken und die Bereitschaft der Besitzerin Zeit, Geduld und Geld zu investieren, um über mehrere Wochen alle 2 Tage zur Wundkontrolle und zum Verbandswechsel in die Praxis zu kommen und zu versuchen, die Wunde trocknen und abheilen zu lassen. Es wird noch eine Weile dauern, bis alles wieder zugeheilt ist. Aber die Prognose sieht gut aus.

Dr. Klaus: Ein älterer Herr kam in meine Sprechstunde für eine allgemeine Untersuchung und Tupferprobenentnahme bei seinem Graupapagei. Der Vogel war seit über 40 Jahren in Besitz, die Ehefrau des Mannes war bereits verstorben und er macht sich zusammen mit einer Papageienvermittlung auf die Suche nach einem neuen Zuhause für seinen geliebten Vogel. Viele Tränen flossen bei den rührenden Erzählungen von den gemeinsamen Erlebnissen mit seinem Vogel – Verantwortung übernehmen, bevor man selber es nicht mehr kann, ist ein schwerer Schritt. Aber bei Haustieren, die uns überleben, ist es das Beste, was wir machen können. Der Graupapagei hatte übrigens keinerlei ansteckenden Krankheiten und wurde gut vermittelt.

Dr. Waldmann: Bei dem Fall, der sehr zufriedenstellend für das Tier und für uns war, handelte es sich um einen Kater mit Harnsteinen in der Harnröhre. Er konnte nicht mehr pinkeln und es war Eile geboten. Wir haben die Steine direkt im Röntgen gesehen. Die OP haben wir nachmittags als Notfall-OP durchgeführt.

Wir haben den Penis amputiert, der Kater kann damit noch ganz normal sein Geschäft erledigen. Der Kater wurde am nächsten Tag nach Hause entlassen. Nach zehn Tagen haben wir die Fäden gezogen und er lebt glücklich sein Leben in Bonn.

Anna Jakobi, TMFA: Wir haben derzeit einen mittlerweile 4 Monate alten Kater in Behandlung. Das erste Mal war er mit 8 Wochen bei uns, weil er keinen Kot absetzen konnte. Nachdem wir den angesammelten Kot entfernt haben, stellte sich heraus, dass er eine Fehlentwicklung des Bindegewebes im Bereich des Anus hatte, genannt Atresia ani Typ 1. Das Bindegewebe ist zu fest und Kot kann nicht normal abgesetzt werden. Die Therapie besteht aus mindestens einer, manchmal auch mehrerer Operationen. Und trotz aller Tierarztbesuche und Behandlungen ist er ein neugieriger und freundlicher, kleiner Kerl. Er kuschelt mit uns und ist uns echt ans Herz gewachsen Und auch wenn ich seiner Halterin eine Tierarzt-Pause gönnen würde, freue ich mich jede Mal, den Kleinen zu sehen.

Edwina Elbers, Auszubildende im 1. Jahr: Mir fallen viele Geschichten ein, aber eine besonders, vor allem wegen der Dramatik. Eine Frau kam mit ihrem Hund in die Praxis, dem ins Ohr gebissen wurde. Er blutete und blutete und blutete – es sah vor und in der Praxis aus, als wäre es ein Schlachtshaus.

Letzlich war der Blutverlust nicht schlimm, es war ein sehr großer Hund und jeder hat ja schon mal gesehen, wie ein wenig Blut an einer weißen Wand wirkt. Wir haben das Ohr genäht und verbunden, alles ist gut gegangen. Das war einer meiner ersten Notfälle und für mich beeindruckend.

Christiane Waldmann, Praxismanagerin: Ich hatte dieses Jahr einen Igel auf der Igelstation, der komplett alle vier Füße verletzt hatte. Bei einem Fuß mussten wir eine große Wunde nähen, bei einem zwei Zehen amputieren. Die anderen beiden Füße hatten „nur“ vereiterte Wunden. Er war acht Wochen auf der Station.

Es ist beeindruckend, wie Wildtiere trotz der Wunden und Schmerzen mit machen und überleben wollen. Er ging am Ende seiner Behandlung zwei mit zwei Zehen weniger, aber auf allen vier Füßen raus in seine Freiheit. Ich hoffe, er geht jetzt für immer den Mährobotern aus dem Weg.

Ich hoffe, die kleinen Einblicke in unsere Fälle haben Ihnen gefallen. Ich bin sehr gespannt, was 2023 für uns bereit hält und wünsche Ihnen allen Gesundheit, Zufriedenheit und Glück!

Ihre Tierarztfrau

Ein Gedanke zu „Unser Jahr 2022

  1. Danke Frau Waldmann – sehr rührende und gleichzeitig hoffnungsvolle Geschichten.
    Auch Ihnen und allen Tieren, die Sie treffen, ein glückliches neues Jahr
    Gabriele Rooke

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