Ein Vormittag beim Tierarzt

Liebe Leserinnen und Leser,

zum Jahresabschluss habe ich lange überlegt, was ich schreibe. Gestern sagte eine Kundin zu mir, dass sie gerne mal einen Vormittag Mäuschen spielen würde. Daher kommt heute die Beschreibung eines typischen Vormittags in unserer Tierarztpraxis:
Im Moment haben wir zwei Behandlungsräume, aber – wie gestern – des Öfteren auch drei Tierärzte. Mein Mann operiert vormittags, benötigt daher nur kurz einen Raum. Dennoch ist das gelegentlich mit viel Organisation verbunden, damit die Räume optimal genutzt werden.
Gestern hatte mein Mann eine Zahnsanierung bei einer Katze. Diese hat nahezu alle Zähne gezogen bekommen, das war für den ganzen Vormittag eingeplant. Die Katze und der Halter waren um 8 Uhr bei uns. Mein Mann nimmt die Katze in Empfang, redet mit dem Tierhalter und klärt auf. Dann legt er einen Venenkatheter, die Katze wird schlafen gelegt und kommt zur Zahnsanierung.
Parallel dazu hat unsere Tierärztin Frau Hirtsiefer eine Katze behandelt mit Erbrechen. Da die Katze bereits einmal einen Fremdkörper verschluckt hatte, fertigte sie ein Röntgenbild an. Und siehe da: Auch diesmal wurde Frau Hirtsiefer auf dem Röntgenbild fündig. Eine Operation war unumgänglich. Für den Empfang bedeutet das, sich den Terminplan anzuschauen, zu telefonieren, Termine zu verschieben, um eine möglichst große Lücke zu erzeugen für die OP. Frau Hirtsiefer hat der Katze dann noch Blut abgenommen, ein Schnelltest zeigte eine Herzerkrankung, dementsprechend haben wir vor der OP noch einen Herz-Ultraschall gemacht. Zwei Termine hatte Frau Hirtsiefer trotzdem noch, eine Impfung bei einem Hund und einen Check-Up bei einer Katze. Dann konnte sie mit den OP-Vorbereitungen starten.
Während also Frau Hirtsiefer und mein Mann quasi OP-Vormittage hatten, hielt Frau Dr. Klaus ganz normale Sprechstunde ab. Ein paar Termine von Frau Hirtsiefer hat sie übernommen, damit besagte Lücke enstanden war. Sie hatte am Montagvormittag unter anderem einen Wellensittich zu Untersuchung, ein Huhn in der Nachkontrolle, eine telefonische Beratung bei einer Landschildkröte in Winterruhe, zwei Kaninchen zum Impfen, erneut Wellensittiche mit Durchfall und einen langen Termin, um bei einem Kaninchen den Tränen-Nasenkanal in Sedation, dh. in Narkose zu spülen und zum Röntgen. Sie hat Tupferproben entnommen, um sie ins Labor zu schicken.
Der Empfang hat in der Zwischenzeit telefoniert, Proben angenommen und für den Versand vorbereitet, Proben im hauseigenen Labor durchgeführt, alle anwesenden Kunden mit Medikamenten, Terminen und Informationen versorgt. Dann stand plötzlich eine Dame mit einem Katzenklo am Empfang. Sie hatte Spezial-Streu eingefüllt, mit dem man den Urin sammeln kann. Das sind Silikat-Kügelchen, die nicht saugen. Der Urin läuft durch – mit einer Pipette kann man dann den Urin aufsammeln. Das haben wir gemeinsam gemacht. Schließlich war ausreichend Urin für eine Urinuntersuchung zusammen, wir konnten die Nierenerkrankung ihrer Katze etwas genauer diagnostizieren. Sie ging, wir erstellten ein Sediment, checkten das spezifische Gewicht des Urins und werteten einen Tesstreifen aus. Die Werte trugen wir in die Kartei ein und hinterließen dem zuständigen Arzt eine Nachricht im System, damit im Laufe des Tages ein Rückruf erfolgen konnte. Schließlich war es 12 Uhr. Wir besprachen den Anrufbeantworter neu und gingen in die Mittagspause.
Ich selbst ging dann in die Igelstation und machte dort sauber: Bei allen Boxen die Unterlagen wechseln, frische Näpfe, frisches Futter, Igel wiegen, notieren, Medikamente verabreichen. Gegen 12.30 Uhr war ich auch so weit.
Die Ärzte im OP waren ebenfalls gegen halbs ein fertig. Die Vorbereitung und der OP-Saal blieben so, wie sie waren. Aufgräumt, gesäubert und desinfiziert würde alles noch – aber das war erst am Nachmittag und für heute hatte ich Ihnen einen Vormittag versprochen: Voilá!

Ihre noch-nicht-in-Weihnachtsstimmung-wegen-viel-Trubel Tierarztfrau

Die Suuusiii

Meine Frisörin hat eine Katze, die Susi. Gesprochen wird das aber irgendwie anders. Mit badischem Dialekt klingt das immer sehr charmant nach „Suuusiii“. Wenn ich also beim Frisör bin, dann rede ich gerne mit meiner Frisörin über Tiere. Sie hat eins, wir haben welche – passt. Die kommende Geschichte hat sie mir erzählt und ich habe herzlich gelacht.
Susi wohnt in Kessenich und hat auch Freigang. Eines Tages kam Susi morgens heim und brachte eine richtig dicke Maus mit – 5 Minuten bevor ihr Frauchen zur Arbeit musste. Susi gab die Maus nicht her, begab sich aber in die Küche. Meine Frisörin sperrte Suuusiii flugs ein und baute Barrieren, damit die Maus auch ja nicht hinter den Küchenschränken entwischen konnte. Sie ging zur Arbeit.
Natürlich dachte sie den Vormittag an ihre Katze und das eventuelle Massaker in ihrer Küche. In der Mittagspause wappnete sie sich innerlich. Als sie daheim ankam, schnappte sich sich ein Tupperdöschen – vielleicht war die Maus ja doch noch zu retten.
Als sie die Küchentür öffnete, bot sich ihr folgendes Bild. Susi saß entspannt in der Mitte des Raumes. Vor ihr saß der dicke Mäuserich und putzte sich in aller Seelenruhe. Meine Frisörin sackte den Wanst ein und brachte ihn raus. Bis heute fragt sie sich, ob sie den zarten Beginn einer Freundschaft zerstört hat und über was die beiden den Vormittag wohl philosophiert haben. Es wird wohl Suuusiis Geheimnis bleiben.
Und für meine Lieblings-Frisörin: ein bißchen Übertreibung gehört bei einer Geschichte natürlich dazu, Sie mögen es mir nachsehen!

Ihre frisch-frisierte Tierarztfrau

Das Beitragsbild ist von: Free-Photos auf Pixabay

Elvis auf Freiersfüßen

Unseren Nachbarshund Elvis kennen Sie ja bereits. Er ist ein kleiner Schlawiner. Vor kurzem musste mein Mann wegen eines Notfalls noch in die Praxis. Auf dem Rückweg sah er am Straßenrand einen weißen, kleinen Hund und einen Mann, der versuchte, ihn festzuhalten und sich suchend umsah. 10 Meter weiter wurde meinem Mann klar, dass das unser Nachbarshund Elvis war und er den Mann nicht kannte. Er bremste, parkte das Auto und ging die Straße zurück. Der Mann erzählte ihm, dass er den Hund sicherte, weil er auf der Straße rumgelaufen sei. Als Ansgar ihm sagte, dass das Elvis sei, unser Nachbarshund, war er sehr erleichtert. Aber Elvis wollte auf keinen Fall von seiner amourösen Fährte abgehalten werden und knurrte meinen Mann an. Er rief mich an, ich sollte kommen und helfen. Ich lief los – in Pantoffeln, musste ja schnell gehen. Ich wollte mir gerade einen Scooter mieten, als er wieder anrief. Elvis war doch im Auto und beide zusammen auf dem Heimweg.
In der Zwischenzeit klingelte ich bei unserer Nachbarin. Sie war nicht zuhause. Ich rief sie auf dem Handy an und hörte das Handy drinnen bei ihr klingeln. Mir war sofort klar: Da musste was passiert sein. Bestimmt lag sie ohnmächtig im Haus und Elvis war irgendwie aus dem Garten entwischt. Als ich meinem Mann von meiner Vermutung erzählte, lachte er mich aus. Er meinte, dass Barbara das Handy nur beim Spazieren gehen nicht mitgenommen hatte und ich zu viele Krimis lesen würde. Hmpf.

Wir diskutierten kurz und beschlossen, 15 Minuten zu warten, er zuhause mit Elvis und unseren beiden und ich auf der Straße, Barbara suchend. Nach 2 Minuten sah ich sie schon von Weitem auf mich zukommen. Ich brüllte über die Straße: „Elvis ist bei uns.“, damit sie erstmal keine Sorgen mehr hätte. Sie bestätigte dann, dass sie das Handy beim Gassi gehen zuhause ließe. Elvis war nur 10m von ihr entfernt gewesen und um eine Straßenecke gegangen. Als er bemerkt hat, dass er außer Sicht war, muss er seine kleinen, krummen Beinchen in die Hand genommen und sich aus dem Staub gemacht haben. Als stattlicher Westhighland-Terrier – voll ausgestattet – hatte er schließlich einen Auftrag im Leben. Und irgendwohin musste die Fährte der läufigen Hündin ja führen. Sein Frauchen hätte das bestimmt nicht zugelassen. Was war also die logische Konsequenz: ab durch die Mitte. Als Barbara nämlich eine Sekunde später an der Straßenecke ankam, war von Elvis nichts mehr zu sehen.
Gut, dass mein Mann einen Notfall hatte und ja, ich lese zu viele Krimis.

In diesem Sinne
Ihre viellesende Tierarztfrau

Der Henriette-Hype

Letztens bin ich die Facebook-Beiträge der letzten Zeit durchgegangen. Dabei ist mir wieder der Henriette-Post in die Finger gefallen. Falls jemand den Post nicht kennt, es ging um zwei Igel, die vom Rasenmäher-Roboter verletzt wurden. Der eine hat es geschafft, der andere nicht. Ich habe ein kleines Statement veröffentlicht und gebeten, dass die Besitzer von Rasenmäher-Robotern, diese nicht mehr nachts laufen lassen. Das war an einem Dienstag-Abend.
Als wir am nächsten Morgen zur Arbeit kamen, fragte unsere TFA mich, ob ich gesehen hätte, was mit dem Beitrag passiert sei? Ich verneinte. Sie meinte nur, ich sollte mal schauen. Ich öffnete Facebook und bereits 11 Tausend Menschen hatten diesen gesehen. Es gab 100 Kommentare. Man konnte dabei zusehen, wie sich der Beitrag verbreitete, es gab kein Halten. Die letztliche Zahl waren dann über 3 Millionen Menschen, die den Beitrag gesehen haben. Es gab über 650 Tausend Interaktion und 1.300 Kommentare.
Und dann kam die Presse. Mein Mann steht nicht besonders gern im Rampenlicht, aber was sollte er tun? Schließlich ging es um den guten Zweck. Je mehr Menschen ihren Rasenmäherroboter nicht nachts laufen lassen, um so besser. Der WDR kam, der Generalanzeiger, Sat1 und RTL, jeweils lokal. Und als es schließlich ruhiger wurde und mein Mann fast erleichtert war, klingelte noch die London Times an. Das fand er dann so lustig, dass das eines der wenigen Interviews war, die er gerne gemacht hat.
Die ganze Geschichte ist jetzt über ein Jahr später immer noch absolut unglaublich. Was muss dafür alles passen, dass ein Beitrag so erfolgreich ist? Die Zeit, der Text, die Aufmerksamkeit der Menschen – planen kann man das nicht. Und wenn man sich jetzt vorstellt, das wäre etwas negatives gewesen – da haben wir uns ein wenig gegruselt.
Was das Ergebnis davon war? Ich habe in Bonn eine kleine Igelstation gegründet und sie Igelstation „Henriette“ genannt. Ich ermahne immer noch jeden, keinen Rasenmäherroboter nachts laufen zu lassen. Manchmal darf ich das in Funk und Fernsehen tun (lokal), aber auf 3 Millionen aufmerksame Menschen komme ich dabei nicht.

In diesem Sinne
Ihre Igel-& Tierarztfrau

Mini, der Schreihals

Ich habe mir immer eine Katze gewünscht, die redet. Irgendwie ist das aber beim Universum nicht richtig angekommen. Denn geliefert wurde mir eine Katze, die mich anschreit. Dauernd.

Es ist Futterzeit und ich gehe in die Küche: Mini läuft hektisch hinter mir her und schreit mich an, dass es nicht schnell genug geht.

Ich öffne unserem Kater Murkel die Terassentür, sie hört es aus der Küche und kommt schreiend angelaufen. Wehe ich mache die Tür zu und trenne sie von Murkel.

Der Wecker klingelt im Schlafzimmer, sie steht vor der Tür – und schreit, ist ja wieder Futterzeit.

Ich gehe in die Küche – es ist keine Futterzeit – und hole mir ein Glas Wasser. Mini rennt hinter mir her und schreit.

Ich hebe sie vom Tresen, vom Sofa, von der Decke, vom Tisch – Empörung, Mini schreit mich an.

Und das klingt auch nicht besonders lieblich, es ist ein Mischung aus sirenenartigem Miauen mit einem blechernem Beigeschmack und der ganzen Empörung, die diese kleine Katze aufbringen kann, im Abgang. Ich poste demnächst ein Video…

Ihre angeschrieene Tierarztfrau

Maulkorb

Heute schreibe ich ein Plädoyer für den Maulkorb. Folgende Geschichten haben wir erlebt:

  • Ein Hund kommt als Patient in die Praxis. Die Besitzerin erzählt, der habe sie und ihr Kind bereits gebissen. Sie hat keinen Maulkorb für den Hund und findet es auch schlimm, dass wir dem Hund einen anziehen wollen.
  • Ein Hund reißt sich von der Halterin los, gräbt sich unter einem Zaun durch und reißt drei Hühner, bei dem vierten gelingt es unserer Tierärztin (es waren ihre Hühner), es ihm aus dem Maul zu ziehen. Vorher hat er bereits eine Inline-Skaterin gebissen und weitere Vögel getötet.
  • Eine Tierhalterin hat einen Hund, der schnappt. Sie hat immer einen Maulkorb dabei, der auch noch ganz süß aussieht. Sie kennt alle Situationen, die schwierig sind und zieht souverän ihrem Liebling den Maulkorb an.

Wer ist Ihnen am sympathischsten? Natürlich die vernünftige Halterin, die ihrem Hund den Maulkorb anzieht und so sich und andere schützt. Und wenn es Ihr eigener Hund wäre? Wie empfinden Sie es, wenn Sie Ihrem Liebling einen Maulkorb anziehen müssten? Manche schämen sich, einige halten es für übertrieben, wieder andere denken, dass sie versagen, wenn sie ihren Hund nicht im Griff haben. Aber in so einer Situation darf nur eine Regel gelten: der Schutz Fremder und der eigene Schutz. Und wenn Sie dann vielleicht den ein oder anderen Blick abbekommen wegen des vermeintlichen „Kampfhundes“ an Ihrer Leine, kann Ihnen das egal sein, Sie zeigen Verantwortung. Da dürfen Sie stolz drauf sein, denn mit Maulkorb würden die Hühner noch leben, es wäre kein Kind gebissen worden und auch die Inline-Skaterin hätte nicht ins Krankenhaus gemusst.

Wenn Sie also mit Ihrem Hund mit Maulkorb in unsere Praxis kommen, dann können Sie sicher sein, dass ich Ihnen innerlich applaudiere!

In diesem Sine
Ihre moralische Tierarztfrau

Kurznasen

Wir operieren bei uns in der Praxis viel. Dabei werden die meisten Tiere intubiert, das heißt, wie führen einen Schlauch (einen Tubus) in die Luftröhre ein und sie erhalten u.a. Sauerstoff. Sobald die Op vorbei ist, warten wir, bis die Tiere aufwachen. Hunde und Katzen wehren sich automatisch gegen den Tubus und versuchen mit aller Macht, diesen los zu werden. Selbst wenn sie noch halb schlafen. Wir ziehen diesen dann automatisch und die Tiere sind beruhigt.
Nur eine Sorte behält den Tubus drin – und zwar lange nachdem sie fast vollständig wach sind: die Hunde mit den kurzen Nasen. Das sind unter anderem französische Bulldoggen, Möpse, Boston Terrier und leider noch viele mehr.
Was leider fast alle Besitzer einer solchen Rasse verdrängen oder es einfach nicht wissen: Die Hunde sehen so niedlich aus, weil die Kopfform anders gezüchtet wurde. Der Schädel ist deformiert. Die Hunde kämpfen deswegen ihr Leben lang um Atemluft kämpfen – beim Fressen, Laufen, Spielen, Schlafen. Alle Halter erklären uns, dass das bei ihrem Hund nicht so sei, er könne frei atmen. Tatsächlich ist das falsch. Vielleicht kämpft er etwas weniger mit Luft als die ganz schlimmen Fälle. Aber jede Kurznase, die wir bisher operiert haben, war dankbar für den Tubus. Denn genau das steckt dahinter: Zum ersten Mal in ihrem Leben können sie frei atmen, daher will keiner der Hunde den Tubus los werden. Ist das nicht ein erschütternder Gedanke: Die Hunde haben den Schlauch so gerne in der Luftröhre, weil sie endlich ausreichend Luft bekommen.

Hier sehen Sie einen unserer Patienten. Der Hund ist wach, der Tubus noch drin. Wenn Sie selbst mal eine völlig verstopfte Nase hatten, können Sie das vielleicht sogar etwas nachempfinden. Bei den Kurznasen hilft nur leider kein Nasenspray!

In diesem Sinne
Ihre frei atmende Tierarztfrau

Fragen aus der Praxis (2)

Vom letzten Beitrag sind noch folgende Fragen offen: Würde mein Mann mit seinem Wissen wieder Tierarzt werden? Was macht gar keinen Spaß? Und was macht uns am meisten Spaß?

Ich habe meinen Mann schon des Öfteren selbst gefragt und er antwortet immer dasselbe: Ja, er würde wieder Tierarzt werden. Der Beruf macht ihm Spaß, da er mit Tieren, Menschen und oft auch Rätseln zu tun hat (siehe unter anderem die „Dr. House“-Beiträge). Er operiert gerne und ist unglaublich gut darin, eine Diagnose zu finden. Im Gegenzug ist er furchtbar frustiert, wenn es keine eindeutige Diagnose gibt. Und ja, das kommt tatsächlich mal vor. Leider können Tiere nicht reden. Und wir sind alle nur Menschen. Ihm macht es auch Spaß, im Team zu arbeiten. Er ist nicht der beste Leher, aber wenn er gefragt wird, erklärt er ausführlich und so, dass es alle verstehen. Er hat ein großes Herz, auch wenn man das nicht auf den ersten Blick vermuten würde und wenn es um Tiere geht, versucht er, fast alles möglich zu machen. Also kann ich besten Wissen und Gewissens seine Antwort glauben, dass er wieder Tierarzt werden würde.

Was uns keinen Spaß macht, sind die Menschen, die ihre Tiere nicht gut behandeln. Da hätten wir den alten Hund, bei „dem es sich ja nicht mehr lohnt“ noch was zu tun. Die Katze, „für deren Medikamente ich aber keine Zeit habe“. Es gibt das Kaninchen, das sein Leben in Einzelhaft verbringt, denn „das ist okay, das kennt es so“. Oder die viel zu dicken Tiere, von denen es heißt „Ich füttere schon ganz wenig, der bekommt fast nichts“. Oder die Tiere, die zum Einschläfern gebracht werden, obwohl die Halter nur überfordert sind. Oder die Tiere, die wir erlösen, bei denen ich weine, weil sie bis dahin ein schlimmes Leben hatten (das kann man sehen!). Und natürlich schläfern wir kein Tier ein, weil ein Halter überfordert ist und wo das Veterinäramt einzuschalten ist, schalten wir es ein (nur, um das auch gesagt zu haben).

Was uns viel Spaß macht, sind alle Menschen, die sich um ihr Tier gut kümmern. Und was uns richtig viel Spaß macht, sind die Menschen, die sich um alle Tiere gut kümmern: die, die eine verletzte Taube zu uns bringen; die, die Wildvögel päppeln; die, die eine zugelaufene Katze zum Chip-auslesen bringen; die, die nicht wegsehen, wenn es einem Tier schlecht geht. Uns macht es auch Spaß, wenn man die tolle Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Liebling sieht. Uns macht es Spaß, wenn eine Behandlung, Operation oder ein Medikament wirksam war und es Ihrem Tier besser geht. Uns macht es Spaß, wenn Sie sich freuen.

Wenn Sie noch eine Frage haben, die wir Ihnen beantworten sollen: immer her damit. Wir freuen uns auch über Fragen!

In diesem Sinne
Ihre hocherfreute Tierarztfrau

Fragen aus der Praxis (1)

Wir werden immer wieder gefragt, was denn das exotischste Tier war, das je bei uns war. Was wir Spannendes erleben? Welche OP besonders interessant ist? Ob mein Mann mit seinem Wissen wieder Tierarzt werden würde? Und was gar keinen Spaß macht? Heute gebe ich Ihnen ein paar Antworten.

Die Antwort auf das exotischste Tier ist einfach: Es war eine Achatschnecke. Ja, das ist jetzt keine Giraffe oder ein Tiger, aber wer hat denn schon mal eine Achatschnecke behandelt oder weiß überhaupt, wie die aussehen? Aber warum war Frau Schnecke bei uns? Sie war der Besitzerin runter gefallen und hat sich seitdem nicht mehr bewegt. Die Besitzerin kam zu uns und wir sollten herausfinden, ob sie noch lebt. Doch wie sollte das gehen? Da es nichts gibt, das es nicht gibt, fand mein Mann die Antwort recht schnell: Man konnte die Schnecke schallen und so herausfinden, ob das Herz noch schlägt. Leider war das hier nicht der Fall. Spannend war das für uns alle natürlich trotzdem.

Wir erleben fast jeden Tag spannende Geschichten. Für mich ist es sehr interessant auf einer Firmenfeier zu hören, worüber sich unsere Angestellten so austauschen. Dazu gehört zum Beispiel die OP, bei der mein Mann einem Hamster die Gebärmutter entfernt hat. Natürlich mit einer Lupe. Oder als unser Facebookbeitrag so hohe Wellen schlug und wir wegen der Igel und Rasenmäherroboter im WDR, Sat1 und RTl (lokal) zu sehen waren. Spannend war auch die so Hausmaus, die ein Kunde gezähmt hatte und wie ein Haustier hielt, immer mit der Möglichkeit für sie, wieder zu verschwinden. Hat sie aber nicht, sie genoss bis zum Ende ihr Luxusleben und wurde sehr geliebt. Oder die zwei Wildkaninchenbabies, die ein Bauarbeiter beim Ausgraben auf einer Baustelle fand und kalt und durchnässt zu uns brachte. Wir haben sie als Team aufgepäppelt und sie hoppeln jetzt hoffentlich immer noch in der Wahner Heide rum. Das sind nur ein paar Sachen, die hier passieren.

Die nächsten Fragen beantworte ich dann im kommenden Beitrag. Es bleibt spannend.

In diesem Sinne
Ihre cliffhängende Tierarztfrau

Ein Geburtstagsgeschenk von Elli

Vor zwei Jahren war ich an meinem Geburtstag morgens mit den Hunden spazieren. Es war Oktober und bereits nicht mehr hell um 7 Uhr. Dennoch ließ ich beide Hunde ohne Leine laufen, denn es war so gut wie niemand unterwegs. In einem kleinen Park schlug sich Elli in die Büsche. Ich ging ihr hinterher, als sie nicht auf mein Rufen reagiert und siehe da – Elli war weg. Ich machte mir keine Sorgen, denn ich wusste, dass Elli als ehemaliger Straßenhund gut draußen klar käme und mit Sicherheit nicht wirklich weit weggelaufen wäre. Ich steuerte die üblichen Verdächtigen an: Büdchen, Bäcker, Supermarkt und fragte Passanten, ob sie Elli gesehen hätten. Fehlanzeige. Zwischendrin schaute ich immer wieder daheim vorbei, um zu sehen, ob sie vor der Tür lag. Nach ungefähr einer Stunde war es dann soweit: Elli lag tatsächlich vor der Tür. Mit einer Brötchentüte – leer, bis auf ein Schinken-Käse-Croissant. Ich wiederhole das gerne nochmal: der ewig hungrige Straßenhund hatte ein Schinken-Käse-Croissant übrig gelassen. Und lag mit vollem Wanst vor unserer Haustür. Was muss in dieser Tüte alles drin gewesen sein? Und wem hatte sie die geklaut? Ich hoffte sehr, dass es ein Klinikumsbesucher sein möge, denn sonst könnte ich mir die Geschicht ewig von den Nachbarn anhören.
Ich fuhr mit Elli und Odin zur Praxis. Mittags war Elli immer noch so vollgefressen, dass sie nicht ins Auto springen konnte. Der Wanst spannte einfach zu sehr. Aber immerhin hatte ich quasi ein Geburtstagsgeschenk von meinem Hund bekommen – wer kann das schon von sich sagen?

In diesem Sinne
Ihre Tierarztfrau