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Halt mal an

Der Satz, der meinen Mann das Fürchten lehrt: „Halt mal an.“ Denn dieser Satz fällt immer dann, wenn ich ein verletztes Tier auf der Straße sehe. Egal, wohin wir gerade fahren.

Das bedeutet, „Halt mal an“, wenn wir wie gestern Abend auf dem Weg zum Essengehen sind. Auf der Straße saß eine Taube und rührte sich nicht. Ich also aus dem Auto raus, Taube eingesammelt, an der Praxis vorbei gefahren, Taube erstversorgt und dann essen gegangen.

„Halt mal an“, als wir unsere Katze Mini unter einem Auto gefunden haben.

„Halt mal an“ als ich dachte, auf der Autobahn eine Katze gesehen zu haben. Nun gut, anhalten ging nicht, aber wir sind abgefahren, zurück gefahren, wieder ab und nochmal dran vorbei. Es war eine Tüte. Sah für mich aus wie eine Katze…

„Halt mal an“, als ich eine Taube im Gras an einer Böschung sah. Ich musste durch ziemlich viel Gestrüpp zur Taube kraxeln, die dann wegflog. Aber man weiß halt nie.

Und letztens hatte mein Mann seinen eigenen „Halt mal an“-Moment. Er war alleine auf der Autobahn unterwegs und meinte, in der Böschung etwas gesehen zu haben. Dann folgt das Wende-Manöver: Runter fahren, wieder drauf in die Gegenrichtung, wieder runter und nochmal dran vorbei. Es war ein Stück Gummi.

Aber genau so ein „Halt mal an“-Moment hat uns Murkel beschert. Eine Frau war auf der Autobahn unterwegs und hat beim Abfahren eine Bewegung gesehen. Sie fuhr also nochmal rum und blieb am Rand stehen (es war nachts und ruhig) und da hat sie eine kleine Katze gefunden. Sie hat ihn in die Klinik meines Mannes gebracht, der ihn über Nacht da behielt und am nächsten Morgen zog Murkel dann bei uns ein.

„Halt mal an“-Momente können also alles sein: Hirngespinste, anstregend, Zeit raubend, überraschend und schön, aber eines sind sie nie: überflüssig.

In diesem Sinne
Ihre anhaltende Tierarztfrau

Mein Job als …

(Was ist eigentlich mein Job?)

Morgens um 8 Uhr übernehme ich als „Praxismanagerin“ das Telefon, denn dann kommen die ersten Patienten für die OPs und am Empfang wird es kurz hektisch. Das mache ich im Büro und kann zwischendurch noch Rechnungen buchen oder den Wochenplan checken (passt die Länge der eingetragenen Termine? sollte etwas besser vorgezogen werden?). Ich schaue mir an, wie das Personal für die kommende Woche eingeteilt ist (den Plan macht Vanessa) und ganz selten tausche ich mal was aus.
Am Freitag ist beispielsweise die Sicherung rausgeflogen – ein Job für die „Hausmeisterin“. Ich musste erstmal herausfinden, welche Geräte woran hingen und welches Gerät es dementsprechend sein könnte. Es handelte sich um eine technische Anlage, für die wir jetzt auf einen Techniker warten. Zuvor hatte ich allerdings den Verdacht, dass es eine etwas zu volle Steckdosenleiste sei. Also bin ich nach Kessenich und habe zwei neue Steckdosenleisten besorgt und diese angeschlossen.
Dann ruft mein Mann mich zu einer Zahnsanierung. Der Bohrer lässt sich nicht aus dem Steckkopf entfernen. Alle sind gescheitert. Ich nehme die Zange und löse mit Geduld den Bohrer raus. (Ich vermute, der wäre bei jedem rausgegangen, der das als nächstes versucht hätte. Aber es ist schön, wenn alle glauben, ich könne das besser.)
Schließlich geht es wieder an den PC – die Stundenerfassung muss abgeglichen werden. Manchmal hängt sich die Zeiterfassung auf oder die Schulzeiten der Auszubildenden fehlen.

Die „Computerspezialistin“ wird immer dann gerufen, wenn etwas am Computer „nicht geht“. Zum Beispiel druckt der Computer nicht das angezeigte Blatt aus. Dann passiert immer, wirklich immer Folgendes: Ich drücke auf drucken und der Computer druckt. Ich gehe dann weg und rede von meinen „magic hands“. Ich glaube, in dem Moment bin ich nicht die beliebteste „Chefin“. 🙂

Das „Mädchen für alles“ springt immer dann ein, wenn irgendwo jemand gebraucht wird, zum Beispiel beim Festhalten eines Tieres oder wenn sich jemand um die Wäsche kümmern muss, weil alle anderen in der Behandlung sind. An einigen Tage habe ich reine Bürotage und schaffe ziemlich viel von meiner eigentlichen Arbeit (Steuer, Verwaltung, Organisation). An den Tagen, an denen ich Springer bin, ist das sehr unterschiedlich. Da nehme ich mir oft nur kleine Dinge vor, bei denen ich mich nicht besonders konzentrieren muss.

Ich habe viele Titel: Tierarztfrau, Praxismanagerin (offizieller Titel) die Frau vom Chef, Chefin, Frau Waldmann, Hausmeisterin (so nenne ich mich, mir fehlt nur noch der Blaumann und der Werkzeuggürtel), Mädchen für alles und besonders schön waren die Handwerker, die immer nur nach „der Frau“ gefragt haben, wenn sie Fragen hatten. („Wo ist denn die Frau?“)

Mein Lieblingstitel ist aber immer noch „Frauchen“ (von Odin, Elli, Murkel, Mini und den Schillinskis (unsere Schildkröten)).

In diesem Sinne
Ihre „suchen Sie sich gerne was aus“

Eine Hommage an meine Tiere – Murkel

Murkel ist unser erstes Tier überhaupt. Mein Mann und ich hatten unsere erste, gemeinsame Wohnung bezogen und er arbeitete in einer Tierklinik in Mönchengladbach. Eines Abends rief er mich an meinte: „Hör mal.“ Ich hörte ein kleines Miauen. „Ist das eine Katze?“ fragte ich ihn. „Genau, ein kleiner Kater.“ „Und was ist mit dem?“ „Der wurde gefunden und ich habe mich gefragt, ob wir den für zwei bis drei Tage nehmen könnten.“ Ich überlegte. „Wenn wir den für zwei bis drei Tage nehmen, dann behalten wir den doch eh.“ „Ja, super, alles klar“, Ansgar freute sich. „Moment, das war jetzt kein Vorschlag, sondern nur eine Vermutung“, zugegebenermaßen hatten wir schon länger über ein Haustier gesprochen, wollten aber keines, ohne dass wir einen Garten hätten. Aber nun war es eben so. So kam Murkel zu uns.

Murkel ist eigentlich kein Kater, sondern irgendwas zwischen Kater und Mensch. Er kann keine Vögel fangen, bei Mäusen bin ich mir auch nicht sicher. Aber er bringt die Spülschwämme der Nachbarn. Und er ist der absolute Chef und zwar von allen Tieren bei uns und in der Nachbarschaft. Es ist mir ein Rätsel, wie er das macht. Er kann Pfötchen geben und Sitz machen. Er liebt alle anderen Tiere, Katzen und Hunde. Es sei denn, diese mögen ihn nicht. Bis Mini bei uns eingezogen ist, lief er immer in sein altes Zuhause in Ippendorf zurück. Aber unsere Mini hat ihn geerdet (siehe Foto, Murkel ganz in schwarz, Mini schwarz-weiß).

Murkel liebt Futter und sein Herrchen. Frauchen ist auch gut, aber Herrchen ist der allerbeste. Wir lieben Murkel über alles (natürlich wie all unsere Tiere) und da er schon so lange bei uns ist, gibt es natürlich auch viele Geschichten über ihn (einige finden Sie in diesem Blog).

Murkel ist jetzt 12 Jahre und quasi „Scheckheft-gewartet“, damit er mindestens noch 12 weitere Jahre bei uns hat. Drücken Sie uns die Daumen!

Ihre Murkel-vernarrte Tierarztfrau

Balu, der Hütekater

Balu ist ein Kater. Balus Frauchen ist ein kleines Mädchen namens Amelie (Namen geändert), das gerne mit einem anderen Mädchen namens Sara (Namen geändert) spielt, das ich gut kenne. Die Mama hat mir nun diese nette Geschichte erzählt.

An einem Nachmittag besuchte Amelie Sara zum Spielen, im Schlepptau befand sich Balu. Balu wohnt eigentlich nur ein paar Straßen weiter. Er bliebt aber während des gesamten Spielenachmittags den beiden Mädchen an der Seite. Meine Freundin hat das mit Faszination beobachtet. Irgendwann hatten die Mädchen eine Badewanne mit Wasser gefüllt und wollten Balu baden. Ich wurde zwischenzeitlich immer per WhatsApp über den aktuellen Stand aufgeklärt. Ich empfahl für dies Unterfangen Jod und Pflaster zu organisieren. Die beiden überlegten es sich aber anders und badeten stattdessen ihre Füße.

Als Amelie dann abends nach Hause ging, zog auch Balu mit von dannen. Er hatte den ganzen Nachmittag auf sein Frauchen aufgepasst, gehütet quasi.

Und es geht noch weiter: Wenn die Familie spazieren geht, dann geht Balu natürlich mit. Allerdings ist ihm meistens der Rückweg zu weit, so dass er sich dann unten in den Kinderwagen legt und fahren lässt. Ein schlauer Kerl. Hauptsache dabei. Und die Familie hüten, fast wie ein Hütehund, ach ne – ein Hütekater!

In diesem Sinne
Ihre Tierarztfrau

Irgend so ein Olm

In Slowenien gibt es den Grottenolm. Und zwar nur hier. Er lebt zusätzlich noch in der Hermannshöhle in Deutschland und in Zagreb im Zoo – diese Olme stammen jedoch ursprünglich aus Slowenien. Denn der Olm lebt ausschließlichn unterirdisch im Karst. Eine Tropfsteinhöhle mit Zugang zu den Olmen befindet sich in Postojna. Mein Mann interessiert sich natürlich sehr für dieses faszinierende Tier: Grottenolme können bis zu 100 Jahre alt werden, kommt bis zu 12 Jahre ohne Nahrung aus, wird mit Augengeboren, später aber blind.

Nun waren wir in Slowenien im Wanderurlaub und hatten schon den Feuersalamander gesehen. Irgendwann sagte mein Mann zu mir, dass er den Grottenolm doch auch mal gerne sehen, die Fahrt aber 2 Stunden dauern würde. Ich wies ihn darauf hin, dass es keinen besseren Zeitpunkt als jetzt gäbe, näher kommen wir an den ursprünglichen Grottenolm nicht ran. Gesagt, getan – wir machten uns auf den Weg nach Postojna, um den Grottenolm zu sehen. Als wir dort ankamen, kauften wir zuerst Grottenolm-Merchandise-Artikel. Man muss sich ja einstimmen… Dann ging es los: Mit einer englisch-sprachigen Gruppe von rund 20 Personen fuhren wir mit einer kleinen Bahn in die Tropfstienhöhle. Die Höhle ist riesig und die Fahrt dauerte ca 20 Minuten. Danach wanderten wir noch ca 20 Minuten durch die Höhle, bis wir schließlich am Terrarium des Olms ankamen. Live in der Höhle kann man diesen nicht betrachten, aber es werden immer ein paar Exemplare in einem Terrarium gehalten für die Touristen. Es wird vor Ort aber sehr darauf geachtet, dass alle ruhig sind, keiner mit Blitz fotografiert oder gar an die Scheiben klopft.

Wir waren sehr aufgeregt – endlich sollten wir den Olm sehen. Für uns war das ein bisschen wie ein Auftritt von einem unserer Lieblingsmusiker. Der Touristenführer erklärte gerade die Besonderheiten des Olms, da stand ein Pärchen neben mir. Fragt der eine den anderen: „Wat is da los?“ Meint der andere trocken: „Irgend so ein Olm, der 100 Jahre alt wird.“ Ich wusste nicht, wohin mit meiner Empörung – was für ein Banause. „Irgend so ein Olm“. Ich wollte mich schon aufregen, als mein Mann meine Hand nahm und wir endlich an der Reihe waren, den Grottenolm anzuschauen. Natürlich war so ein kleines Tier vom Aussehen nicht besonders beeindruckend, aber wir waren zufrieden. Wir hatten nicht nur den Feuersalamander im Urlaub gesehen, sondern auch „irgend so einen Olm“.

In diesem Sinne
Ihre Höhlen-wandernde Tierarztfrau

Eine Hommage an meine Tiere – Elli

In der kommenden Zeit werden Sie immer mal wieder erfahren, warum ich jedes einzelne unserer Tiere so liebe. Ich fange mit Elli an.

Elli ist ein Mischlings-Hundemädchen, die wir aus dem Tierheim Bonn übernommen haben. Elli ist ein unglaublich dickköpfiger Hund mit einem riesengroßen Herzen.

• Elli frisst alles, was sie findet.
• Elli liebt Kinder.
• Wenn sie sich freut, reißt sie ihr Maul auf und zeigt allen ihre Zähne. Sieht gruselig aus, ist aber lieb gemeint.
• Sie hasst Mopedfahrer und liebt Busfahren.
• Wenn sie außer sich ist vor Freude, jault sie laut.
• Sie mag bestimmte Wege nicht, wir haben keine Ahnung, warum.
• Elli liegt auf Partys in der Mitte des Raums und es ist immer mindestens ein Kind bei ihr, das sie streichelt.
• Elli liebt Bäche.
• Sie flippt aus, wenn sie ihr Urlaubsherrchen sieht (der Hundetrainer, der sie während unseres Urlaubs betreut).
• Elli mag Erdbeeren sehr gerne, dann macht sie ganz spitze Lippen und genießt.

Wegen all dieser Eigenschaften und noch 1.000 mehr liebe ich Elli ganz besonders. Sie ist ein toller Hund, die mich manchmal zur Weißglut treibt. Aber dann wedelt sie wieder vorsichtig mit ihrem abgeschnittenen Hundeschwänzchen und ich bin ganz gerührt. Unser Mädchen!

In diesem Sinne
Ihre Elli-verliebte Tierarztfrau

Der Feuersalamander

2020 waren wir in Slowenien im Urlaub. Wir wandern gerne und das Land ist absolut fantastisch dafür. Wir haben drei Stationen ausgesucht, eine ziemlich abgelegen auf dem Land. Nachdem wir von Maribor aus fast da waren, aber mittlerweile 10 Minuten über eine Schotterpiste fuhren, fragten wir uns schon, ob wir noch richtig waren. Aber siehe da: Die Pension in Polzela war genauso schön, wie sie im Internet präsentiert wurde und absolut idyllisch.

Was war aber nun das Besondere an der Unterkunft? Unser vorletzter Tag war ein warmer Sommertag, als es gegen Abend anfing zu regnen. Am letzten Morgen gegen 6 Uhr ließ ich den Pudel zum Pieseln auf die Wiese vor dem Haus und was sah ich da: einen Feuersalamander. Seit Jahren versucht mein Mann schon, diese Amphibie hier bei uns in Deutschland zu finden. Es gibt sie, aber es braucht bestimmte Wetterbedingungen und Umgebung, um sie hervor zu locken. Ich stand also im Pyjama vor der Tür und rief eindringlich: „Ansgar, Du musst sofort kommen.“ Natürlich nicht zu laut, ich wusste ja nicht, auf was so ein Tier reagiert und sich verzieht. Aber mein Mann war schnell genug und endlich, endlich sah er einen Feuersalamander in Natur. Und es kam noch besser.

Bei der Verabschiedung erzählte ich unserem Gastwirt von dem Erlebnis am Morgen. Er blickte uns amüsiert an und meinte, dass in dem Wald drum herum alles voll wäre von denen, vor allem nach einem Regen. Wir haben uns also umgehend auf den Weg gemacht, um dieses Naturwunder zu bestaunen. Und tatsächlich sahen wir so viele Feuersalamender, dass es uns noch Tage beschäftigt hat. Ein unglaubliches Erlebnis!

Eine Igelei

Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Manchmal macht mir die Igelstation keinen Spaß. Es ist sehr viel Arbeit und hört nie auf. Dafür bekommt man wenig Dank. Aber so ist das halt. Und wenn dann so etwas passiert, wie die folgende Geschichte, bin ich wieder versöhnt:

Mir wurde ein Igelmännlein gebracht mit einem blutverschmierten Auge. Ich legte ihn schlafen und schaute mir das Auge an. Es befand sich eine dicke Kruste darauf, die ich vorsichtig entfernte, da ja der Verdacht bestand, dass das Auge involviert wäre. Als die Kruste entfernt war, zeigte sich jedoch, dass das Auge intakt war. Eventuell hatte es eine kleine Wunde gegeben oder der Igel hatte sich eine Zecke weg gekratzt. Dennoch beschlossen die Finderin und ich, dass er drei Tage bleiben sollte, um ihn ohne Parasiten wieder in die Freiheit zu entlassen.

In der ersten Nacht ist der junge Mann aus seiner Box entwischt. Weit gekommen ist er nicht, ich fand ihn in einem Stapel Zeitungen. Daraufhin habe ich seine Box – meiner Meinung nach- ausbruchssicher gemacht. Aber ein Igel findet Wege, wenn es Wege gibt. Am nächsten Morgen war er wieder weg. Ich habe alles abgesucht. Kein Igel. Nochmal alles abgesucht – wieder kein Igel. Ich stand ratlos in der Garage und blickte mich um. Schließlich dämmerte es mir: Er musste bei einem der anderen Igel sein. Und siehe da: Susi und Ingo teilten sich friedlich ein Schlafhäuschen, im Stroh aneinander gekuschelt.

Das sind die Momente, die mich mit aller Arbeit wieder versöhnen.

In diesem Sinne,
Ihre gerührte, nicht geschüttelte Tierarztfrau

Lieblingspatienten

Ich wurde vor kurzem gefragt, ob ich Lieblingspatienten habe. Grundsätzlich mag ich alle Tiere, sonst würde ich nicht mit meinem Mann eine Tierarztpraxis führen. Aber es gibt den ein oder anderen Patienten, der oder die sich heimlich in mein Herz schleicht.

Da gibt es Julie, eine Norwich-Terrier-Hündin. Bei unserer allerersten Begegnung wollte ich Julie streicheln, die bei ihrem Frauchen auf dem Schoß saß. Das passte Julie nicht und sie wollte mir ihre Zähnchen zeigen. Dann hat sie aber irgendwie gemerkt, dass ich nichts Böses im Schilde führe und seitdem werde ich heiß und innig geliebt. Laut Frauchen ist das eine große Ehre, da Julie nicht mit vielen Menschen gut kann. Ich freue mich immer sehr, wenn ich die kleine Knutschkugel sehe und werde dafür auch immer von oben bis unten abgeschleckt.

Dann kommt Foxi regelmäßig zu uns. Foxi ist ein kleiner Mischlingshund und lebt mit Herrchen in Bonn. Bei uns ist er viel zu gestresst, um irgendjemanden zu mögen oder nicht zu mögen und ich bin ihm herzlich egal. Aber mir ist er nicht egal. In den letzten Jahren ist sein Schnäuzchen ein bißchen grauer geworden und die älteren Tiere rühren mich immer besonders. Er wird von seiner Familie über alles geliebt und das merkt man auch.

Dr. Socke ist ein Kater, der im Außenbereich einer Abteilung des Marienhospitals gelebt hat. Er wurde von den Pflegekräften und Patienten versorgt. Dr. Socke war bei uns immer ein vorbildlicher Kater, stattlich, mit einem schönen Katerkopf, der Zeit seines Lebens draußen gelebt hat, ein Kämpfer. So kam er auch oft mit Kampfspuren zu uns zur Behandlung. Als die Abteilung geschlossen wurde, haben wir überlegt, ihn aufzunehmen, aber dann fand sich quasi eine Nachbarin und Dr. Socke wohnt jetzt drinnen und draußen.

Ich mag jede Taube, die uns gebracht wird. Ich glaube, mein Mann ist froh, dass ich „in Igel“ mache, sonst hätten wir einen Taubenschlag im Garten.

Es gibt noch ganz viele andere, die ich ganz toll finde: den Hund Tucker – immer fröhlich und so lieb; die Katze Goldi, um die wir soooo gekämpft haben, Gott sei Dank erfolgreich; den Hund Vegas, bei uns ein verschrecktes Huhn, draußen ein freundlicher Terrier; den Kater Ryo, ein erfolgreicher Tassofall; einige Hamster, die ich für ihre Namen liebe: Billie Eilig oder Hamstero. Ich könnte ewig weiter machen. Vielleicht mache ich das auch noch in einem zweiten Teil. Für heute ist das nur ein kleiner Einblick in mein großes Herz.

In diesem Sinne,
Ihre tiervernarrte Tierarztfrau

Ein Nachmittag beim Tierarzt

Da ich Ihnen bereits einen Vormittag beim Tierarzt vorgestellt habe, darf natürlich ein Nachmittag nicht fehlen:

Am Empfang sitzt Vanessa und telefoniert. Der Terminplan ist bereits voll und sie nimmt nur noch Notfälle an. Der Hund, „der sich kratzt“, muss dann bis nächste Woche warten. Ebenso die Katze, die in den letzten Wochen immer mal wieder erbrochen hat, jetzt aber putzmunter ist. Dennoch nehmen wir beide Fälle ernst. Der Hundehalterin empfehlen wir als erstes, sich eine Flohprophylaxe abzuholen. Der Katzenhalter wird aufgeklärt, dass Erbrechen für verschiedene Krankheiten ein Symptom sein kann und bei einer Katze von 8 Jahren ein Blutbild sehr sinnvoll ist. Der Termin wird auf den kommenden Dienstag festgelegt. Kim räumt derweil den OP auf und Anna kümmert sich um die Stationstiere. Es wird Fieber gemessen, Venenkatheter und Vitalfunktionen geprüft. Es treffen am Empfang jetzt auch die ersten Patienten ein. Frau Dr. Hirtsiefer behandelt ein Meerschweinchen mit Bauchschmerzen und mein Mann untersucht die Pfote eines Hundes, der seit Tagen daran leckt. Er entscheidet, dass der Hund schlafen gelegt werden sollte, um nach einem Fremdkörper in der Pfote zu suchen. Das erzeugt leichte Hektik am Empfang. Die Kunden, deren Termine später am Nachmittag sind, werden angerufen und gefragt, ob sie an diesem Tag zu einer anderen Zeit kommen können oder ob der Termin ganz verschoben werden soll. Die Kunden, die bereits warten, werden von Vanessa aufgeklärt, dass es jetzt etwas dauert. Bis der Fuß rasiert und vorbereitet ist, impft mein Mann noch eine Katze. Gabi passt derweil auf den Hund auf, während Alessia weiter in der Behandlung hilft.

Frau Dr. Hirtsiefer untersucht einen Hund mit Verdauungsbeschwerden. Es wird ein Test auf Giardien angeordnet. Dazu wurde der Hundehalterin bereits bei der Terminvergabe mitgeteilt, dass sie den Kot ihres Hunde sammeln soll, falls dieser bei der Untersuchung gebraucht wird. Mit diesem Sammelkot wird jetzt die Untersuchung auf die parasitären Einzeller gemacht. Die Laboruntersuchung übernehme ich, da Vanessa mit dem Telefon und der Medikamentenausgabe beschäftigt ist. Während die Hundehalterin auf ihren Test wartet, behandelt Frau Hirtsiefer eine Katze mit einer Augenentzündung. Gerade bei Augenentzündungen ist eine gründliche Untersuchung wichtig. Denn bei einer Hornhautverletzung sind beispielsweise bestimmte Mittel extrem schädlich fürs Auge. Die Hornhaut ist aber unverletzt und der Tierhalter bekommt eine Salbe mit für das Auge und vereinbart bei Vanessa einen Kontrolltermin.
Mittlerweile hat mein Mann die Pfote des Hundes untersucht und eine Granne entfernt. Grannen sind Pflanzenteile von Getreidepflanzen, die Widerhaken haben und tief ins Gewebe wandern können. Sie sind manchmal schwer zu finden. Der Hund bekommt einen Verband und einen Hundeschuh als Schutz. Als nächsten Patienten hat mein Mann einen Mops mit einer entzündeten Analdrüse. Das ist schmerzhaft, aber gut behandelbar. Der Hund bekommt Salbe, ein Schmerzmittel und Antibiose mit. Vanessa erklärt dem Halter am Empfang, wie er alles zu geben hat.

In der Zwischenzeit räumt Kim weiter auf. Wenn alles eingeweicht, gereinigt und für den Sterilisator eingetütet ist, desinfiziert sie sämtliche Flächen im sterilen und unsterilen OP. Die Zahnstation wird durchgespült und zur Seite gestellt. Dann bringt sie Wäsche nach unten in den Waschkeller, die Waschmaschine läuft bei uns fast den ganzen Tag.

So läuft der Nachmittag dahin. Manchmal schaffen wir es, halbwegs pünktlich fertig zu werden. Es gibt aber auch die Nachmittage, an denen ein Hund zum Termin erscheint, der 6 Wochen nach Läufigkeit Ausfluss hat, viel trinkt und dem es irgendwie nicht gut geht. Wir machen Blutwerte und einen Ultraschall. Es handelt sich um eine Gebärmuttervereiterung, die sofort operiert werden muss. Das bedeutet, wir besprechen, wer die OP vorbereitet, wer assistiert und wer bis spät abends bleibt. Direkt nachdem der letzte Patient gezahlt hat, geht es dann an die OP. Manchmal kommt ein Tier auch mit weniger klaren Symptomen. Ein Hund hatte Durchfall und Erbrechen, eigentlich nichts Schlimmes. Nach einem Tag ging es ihm aber richtig schlecht. Wir haben ihn stationär aufgenommen und ein Blutbild gemacht. Die Werte deuteten auf eine akute Addison-Krise hin. Das bedeutet, dass die Nebennniere, die für die Produktion von Mineral- und Glukokortikoiden zuständig ist, nicht mehr arbeitet. Ein weiterer Test bestätigte die Diagnose. Der Hund wird jetzt medikamentös eingestellt und bekommt sein Leben lang Medikamente. Das beeinträchtigt ihn aber erstmal nicht und er kann mit seiner Familie ein glückliches Leben führen.

Am Ende des Tages schließen wir die Kasse. Alle Mülleimer werden geleert, Handtücher gewechselt, ebenso Schwammtücher. Tische und Flächen werden gereinigt. Das Labor wird aufgeräumt und die Proben für das externe Labor kommen in den Laborbriefkasten. Die holt später der Laborfahrer ab. Das Arztschild wird ausgemacht, alle Lichter ebenso. Alle ziehen sich um, reden über die spannendsten Fälle und freuen sich auf den Feierabend.

Und am nächsten Tag geht dann alles wieder von vorne los. Und das ist gut so.

In diesem Sinne
Ihre gerne arbeitende Tierarztfrau