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Fragen aus der Praxis (1)

Wir werden immer wieder gefragt, was denn das exotischste Tier war, das je bei uns war. Was wir Spannendes erleben? Welche OP besonders interessant ist? Ob mein Mann mit seinem Wissen wieder Tierarzt werden würde? Und was gar keinen Spaß macht? Heute gebe ich Ihnen ein paar Antworten.

Die Antwort auf das exotischste Tier ist einfach: Es war eine Achatschnecke. Ja, das ist jetzt keine Giraffe oder ein Tiger, aber wer hat denn schon mal eine Achatschnecke behandelt oder weiß überhaupt, wie die aussehen? Aber warum war Frau Schnecke bei uns? Sie war der Besitzerin runter gefallen und hat sich seitdem nicht mehr bewegt. Die Besitzerin kam zu uns und wir sollten herausfinden, ob sie noch lebt. Doch wie sollte das gehen? Da es nichts gibt, das es nicht gibt, fand mein Mann die Antwort recht schnell: Man konnte die Schnecke schallen und so herausfinden, ob das Herz noch schlägt. Leider war das hier nicht der Fall. Spannend war das für uns alle natürlich trotzdem.

Wir erleben fast jeden Tag spannende Geschichten. Für mich ist es sehr interessant auf einer Firmenfeier zu hören, worüber sich unsere Angestellten so austauschen. Dazu gehört zum Beispiel die OP, bei der mein Mann einem Hamster die Gebärmutter entfernt hat. Natürlich mit einer Lupe. Oder als unser Facebookbeitrag so hohe Wellen schlug und wir wegen der Igel und Rasenmäherroboter im WDR, Sat1 und RTl (lokal) zu sehen waren. Spannend war auch die so Hausmaus, die ein Kunde gezähmt hatte und wie ein Haustier hielt, immer mit der Möglichkeit für sie, wieder zu verschwinden. Hat sie aber nicht, sie genoss bis zum Ende ihr Luxusleben und wurde sehr geliebt. Oder die zwei Wildkaninchenbabies, die ein Bauarbeiter beim Ausgraben auf einer Baustelle fand und kalt und durchnässt zu uns brachte. Wir haben sie als Team aufgepäppelt und sie hoppeln jetzt hoffentlich immer noch in der Wahner Heide rum. Das sind nur ein paar Sachen, die hier passieren.

Die nächsten Fragen beantworte ich dann im kommenden Beitrag. Es bleibt spannend.

In diesem Sinne
Ihre cliffhängende Tierarztfrau

Ein Geburtstagsgeschenk von Elli

Vor zwei Jahren war ich an meinem Geburtstag morgens mit den Hunden spazieren. Es war Oktober und bereits nicht mehr hell um 7 Uhr. Dennoch ließ ich beide Hunde ohne Leine laufen, denn es war so gut wie niemand unterwegs. In einem kleinen Park schlug sich Elli in die Büsche. Ich ging ihr hinterher, als sie nicht auf mein Rufen reagiert und siehe da – Elli war weg. Ich machte mir keine Sorgen, denn ich wusste, dass Elli als ehemaliger Straßenhund gut draußen klar käme und mit Sicherheit nicht wirklich weit weggelaufen wäre. Ich steuerte die üblichen Verdächtigen an: Büdchen, Bäcker, Supermarkt und fragte Passanten, ob sie Elli gesehen hätten. Fehlanzeige. Zwischendrin schaute ich immer wieder daheim vorbei, um zu sehen, ob sie vor der Tür lag. Nach ungefähr einer Stunde war es dann soweit: Elli lag tatsächlich vor der Tür. Mit einer Brötchentüte – leer, bis auf ein Schinken-Käse-Croissant. Ich wiederhole das gerne nochmal: der ewig hungrige Straßenhund hatte ein Schinken-Käse-Croissant übrig gelassen. Und lag mit vollem Wanst vor unserer Haustür. Was muss in dieser Tüte alles drin gewesen sein? Und wem hatte sie die geklaut? Ich hoffte sehr, dass es ein Klinikumsbesucher sein möge, denn sonst könnte ich mir die Geschicht ewig von den Nachbarn anhören.
Ich fuhr mit Elli und Odin zur Praxis. Mittags war Elli immer noch so vollgefressen, dass sie nicht ins Auto springen konnte. Der Wanst spannte einfach zu sehr. Aber immerhin hatte ich quasi ein Geburtstagsgeschenk von meinem Hund bekommen – wer kann das schon von sich sagen?

In diesem Sinne
Ihre Tierarztfrau

Hysterische Hundeeltern

Bevor jemand denkt, ich würde andere Leute so nenne, sage ich es direkt vornweg: Wir sind die hysterischen Hundeeltern. Und zwar deswegen:
Odin war antriebsarm und irgendwie bedrückt. Wir beobachteten es ein paar Tage, aber es wurde nicht besser.

Also beschlossen wir, den Pudel zu untersuchen. Auf dem Behandlungstisch zeigte sich morgens erstmal nichts. Die Analdrüsen waren voll, aber das konnte ja kein Grund für den betrübten Allgemeinzustand sein. Wir nahmen Blut ab, machten ein Röntgenbild, Ultraschall natürlich auch. Wozu hat man schließlich eine Tierarztpraxis, wenn nicht, um seinen eigenen Hund mit vagen Symptomen auf den Kopf zu stellen? Im Röntgen und Ultraschall zeigte sich nichts.
Das Blut kam in unser Labor, das Ergebnis dauerte jedoch. Wir hatten Mittagspause und gingen erstmal spazieren. Und das Wunder war geschehen: Der fröhliche Pudel war wieder da.

Wir sahen uns an und schüttelten den Kopf: Unser Mimöschen hatte also nur die Analdrüse gedrückt und dafür hatten wir den ganzen Aufstand gemacht. Aber eventuell zeigte sich ja noch etwas im Blutergebnis? Wollen Sie raten? Es zeigte sich nichts. Der Pudel war pumperlgesund. Wir haben herzlich über uns gelacht, unsere Angestellten auch. Es sei ihnen gegönnt.

Ihre fröhliche Tierarztfrau

Ziggy aka Ida

Wie Sie als fleißige Blogleser ja alle wissen, ist unser Ziggy ausgezogen und kommt nur gelegentlich zu Besuch, um Bescheid zu sagen, dass alles in Ordnung ist. Ich kenne einen Haushalt, in dem er sich gelegentlich aufhält, aber irgendwo in unserem Viertel musste es noch jemanden geben. Unser Viertel-Kiosk bietet nicht nur Zeitungen, Post und Süßes, sondern auch alle Infos, die wichtig sind. Und natürlich wusste die Betreiberin auch genau, bei wem sich Ziggy aufhielt.
An einem Nachmittag machte ich mich dann auf den Weg und klingelte bei besagter Adresse. Ein älterer Herr öffnete mir und ich fragte ihn, ob bei ihm eine schwarz-weiße Katze wohne. Er bejahte. Ich teilte ihm mit, dass das unsere Katze sei, die aber ausgezogen ist. Daraufhin erzählte er mir die Geschichte, wie Ziggy zu ihm gekommen ist.
Im letzten Jahr ist seine Frau schwer erkrankt und leider auch verstorben. Ein paar Wochen vor ihrem Tod tauchte plötzlich Ziggy bei ihnen auf. Aufgrund der schweren Erkrankung konnte er jedoch nicht bleiben, obwohl die Frau Katzen sehr mochte. Nach ihrem Tod durfte Ziggy dann einziehen.
Jetzt kommt er jeden Abend, bezieht seinen eigenen Sessel, in dem eine Decke für ihn bereit liegt und bleibt über Nacht. Am Morgen weckt er den Herrn und tigert dann tagsüber durchs Viertel, um dann abends erneut seine Gesellschaft zu suchen.
Endlich hat Ziggy wieder einen älteren Menschen, der sich um ihn kümmert, nachdem unsere Nachbarin ins Altenheim gezogen ist. Und er hat Ziggy, der sich um ihn kümmert. Eine win-win Situation.

Ob wir nicht traurig sind, dass Ziggy nicht mehr bei uns ist? Natürlich sind wir traurig, aber wie jeder weiß, kann man Katzen zu nichts zwingen. Und wenn durch unseren Ziggy ein älterer Mensch etwas weniger alleine ist, dann finde ich das sogar rührend. Übrigens nennt er Ziggy nach seiner Frau: Ida. Vielleicht wird es aber auch ein Ido, wo er jetzt weiß, dass Ziggy ein Junge ist.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Ihre Tierarztfrau

Die Pfütze

Im Slowenien Urlaub waren wir viel wandern. Das Land bietet sich dafür an. An unserem letzten Tag wollten wir aber nur noch eine weniger anstrengende Strecke zu einem Wasserfall zurücklegen. Insgesamt circa 8 km. Nachdem wir den Wasserfall besucht hatten, lagen noch circa 2 km vor uns. Wir wanderten an einem Hof vorbei, über Wiesen, bis der Untergrund langsam nasser wurde. Schließlich standen wir vor einer riesigen Pfütze, wirklich riesig. Mein Mann hatte eine kurze Hose an, er zog sich Schuhe und Strümpfe aus und watete voran. Schließlich kam er zurück und meinte, dass wir komplett die Hosen, Schuhe und Strümpfe ausziehen müssten. Das Wasser ging bis zum Oberschenkel. Wir überlegten: 7 km zurück oder einmal schnell durchs Kalte? Wir entschieden uns für das Abenteuer. Schuhe und Strümpfe kamen in den Rucksack, Hosen über die Schulter und Odin auf den Arm. Noch nie habe ich in so kaltem Wasser gestanden. Ich habe gedacht, meine Beine sterben an – und zwar sofort. Meinem Mann ging es genauso. Aber wer glauben Sie, zitterte vor sich hin – auf meinem Arm, warm eingemuckelt in die Hose? Genau, der Pudel. Ein echter, kleiner Prinz eben.
Als wir schließlich nach 5 Minuten durch die Pfütze (eigentlich ein Teich…) durch waren, waren wir sehr stolz auf das Abenteuer. Nie war meine Jeans so kuschelig warm.

In diesem Sinne
Ihre Tierarztfrau

Elvis

Bei uns nebenan ist Elvis eingezogen. Unsere Nachbarin wollte bereits länger einen älteren Hund und hat dann Elvis gefunden.
Er ist ein kleiner, 11 Jahre alter Westhighland-Terrier. Anfangs war er sehr schüchtern, mittlerweile ist er aufgetaut, aber ein Draufgänger wird er nicht. Unser Pudel Odin war sichtlich irritiert, als nebenan nun auch ein Hund wohnte. Würde der ihm etwa seinen Prinzenplatz wegnehmen? Weit gefehlt, Elvis liebt Odin und Odin bleibt Prinz. Odin besucht durch eine Lücke im Zaun weiterhin Elvis und sein Frauchen, nur Elvis checkt es nicht, wie man durch die Hecke kommt. Als er es dann schließlich versucht hat, saß die Mini – unsere Katze – schon in der Hecke bereit und hat ihm einen auf die Nase gegeben. Das Geschrei war groß – von Elvis.


Und weil Frau M., unsere Nachbarin, Elvis etwas gutes tun möchte, bekommt er Spielzeug. Elvis findet sein Spielzeug aber langweilig. Wer findet das wohl gar nicht langweilig? Genau – Odin. Der kommt jetzt alle Nase lang mit einem neuen Ball, Quietschi oder Spielzeug bei uns an. Natürlich durch die Hecke geklaut von Elvis. Ich schnappe mir das dann, schmeiße es wieder rüber und hoffe, er bekommt es nicht mit. Ansonsten findet Odin es ganz großartig, durch die Hecke zu flitzen und mir das wieder zu bringen. Ich bin mir sicher, wenn Elvis ein Mensch wäre, würde er Odin applaudieren.

Gute Nachbarschaft- auch unter Hunden – das geht!

In diesem Sinne
Ihre Tierarztfrau

Fotoshooting

Wer schon mal in unserer Praxis war, kennt unsere schönen Fotos, die das Fotostudio Lichtblicke in der  Südstadt geschossen hat. Darauf zu sehen sind viele Praxistiere. Wieviel Arbeit diese Fotos jedoch waren, sieht man darauf nicht.
Bei den Katzen war ich mit beiden alleine, das ging irgendwie. Aber mit den Hunden waren alle Frauchen dabei und es war harte Arbeit. Sie kennen bestimmt dieses Bild:

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Sie sehen hier von links nach rechts:
Beagle Lilly, Mischling Elli, Zwergpudel Odin und Mischling Lupa.

Manchmal, wenn ich davor stehe, denke ich daran, wie wir uns alle zu Hampelmännern gemacht haben, für diese ein perfekte Sekund. Und dann stelle ich mir vor, wie sich die Hunde während dessen unterhalten haben…

Lilly: „Guck mal, ist mein Frauchen nicht süß? Als würde ich sitzen bleiben, wenn sie Leckerchen raus holt.“ (steht auf und geht)
Elli: „Leckerchen? Ich komme mal gucken.“ (geht auch)
Odin: „Ich bin ein braver Junge, ich bleibe sitzen.“ (sitzt)
Lilly, Elli und Lupa: „Streber.“
Elli: „Ich glaube, wir sollen uns wieder hinsetzen. Boah, voll anstrengend, ich leg mich mal hin.“ (legt sich hin)
(alle anderen Hunde werden zurück ins Sitze verfrachtet)
Lilly: „Fasst mein Frauchen in die Tasche? Holt sie ein Leckerchen raus? Ich geh mal lieber kontrollieren.“ (steht auf und geht wieder)
Elli: „Leckerchen? Kannst Du mir eins mitbringen?“ (bleibt liegen)
Odin: „Solltest Du nicht auf Deine Mitte achten?“ (schaut nach rechts)
Elli: „Was soll das denn heißen?“ (schaut nach links)
Odin: „Ich mein ja nur.“ (steht auf und geht zu seinem Frauchen, die sich die Haare rauft)
Elli: „Oh, gibt es jetzt ein Leckerchen?“ (steht auf und geht zu ihrem Frauchen, die sich immer noch die Haare rauft)
(alle werden wieder ins Sitz verfrachtet, die Frauchen hampeln und säuseln wie nicht ganz gescheit vor ihren Hunden rum, damit diese sitzen bleiben und alle in eine Richtung schauen)
Elli: „Kein Leckerchen, jetzt bin ich traurig.“ (legt sich hin)
Lilly: „Ob ich mal brav Sitz vor ihr mache, dann bekomm ich bestimmt etwas.“ (zuckt mit der Pfote und wird direkt von ihrem Frauchen zurück ins Sitz gebracht)
Lupa: „Oh, so viele Menschen hier. Das wird mir zuviel.“ (geht zu ihrem Frauchen)
(Der Fotograf rauft sich die Haare. Die Frauchen versprechen, dass es jetzt bestimmt klappt. Alle Hunde werden ins Sitz gebracht. Die Frauchen stehen alle an der linken Seite vor den Hunden. Die Hunde schauen nach links.)
Lupa: „Wo ist links?“
Alle Hunde rennen wild im Studio rum – aber das Foto ist im Kasten. Und die Frauchen zehn Jahre älter.

Ich war dabei, genau so war es!

In diesem Sinne
Ihre Tierarztfrau

Katzenfernsehen

Frau Rooke hat noch eine tolle, dritte Geschichte für Sie:

„Nun muss ich aber auch eine Geschichte über einen unserer derzeitigen Hunde erzählen: Rusty, der Fox Fauve. Rusty ist auch ein Tierschutzhund, aus Lothringen. Wir wollten nach zwei Foxterriern etwas Entspannenderes haben, und da Elia, die Griffon Dame, entspannend war, gaben wir einem Mischling aus Griffon und Foxterrier eine Chance. Diese werden in Frankreich Fox Fauve genannt und für die Jagd von Kleinwild gezüchtet. Die Wahl von Rusty als unserem nächsten Hund war gelungen, da er sich als pflegeleicht herausgestellt hat – bis auf seinen Jagdtrieb. Dieser zeigte sich offenbar auch einige Wochen nach Rustys Ankunft aus Frankreich. Mein Mann war abends um etwa 22 Uhr mit ihm am Rhein spazieren gegangen, kam dann nach Hause und sagte: „Der Hund ist weggelaufen.“ Ich bekam einen Schock, nahm meinem Mann die Leine weg (die offenbar nicht richtig befestigt worden war) und stürzte mich nach draußen, um Rusty zu suchen. So lief ich fast eine Stunde herum und rief ständig seinen Namen und fragte jeden Passanten, ob sie bzw. er nicht einen mittelgroßen rotbraunen Hund gesehen hätte. Und dann endlich: Ein Mann wies mich daraufhin, dass in dem Garten eines kleinen Fachwerkhauses nicht weit vom Rhein ein solcher Hund sei. Ich machte mich auf den Weg, fand den Garten und blieb vor Erstaunen stehen. Das Bild, das sich mir bot, war einmalig: An einem Tisch saß eine Frau mit Rusty auf ihrem Schoß. Rusty schien sehr glücklich zu sein, da er intensiv gestreichelt wurde. Er bemerkte mich noch nicht einmal. Aber was noch verblüffender war: Neben dem Tisch war ein Fenster in der Hauswand. Dahinter saßen drei Katzen, die das Schauspiel mit viel Interesse verfolgten. Sie hatten noch nie ein so guten Fernsehprogramm erlebt.

Leider musste ich sowohl das Streicheln als auch das Programm unterbrechen.

Um dies nicht zu vergessen: Es war natürlich äußerst nett von der Dame unseren Hund bei sich zu behalten und ihre Katzen einzusperren. Rusty jagt nämlich für sein Leben gerne Katzen. Die nette Dame hat dann, da es fast Weihnachten war, von mir ein Töpfchen mit Christrosen geschenkt bekommen.“

Wenn Sie auch eine schöne Geschichte haben, schreiben Sie mir. Ich freue mich darauf.

Ihre Tierarztfrau

Belgische Türen

Liebe Leser, hier kommt der zweite Beitrag meiner Gastautorin, Frau Rooke. Viel Spaß beim Lesen:

„Die zweite Geschichte handelt von unserem zweiten Foxterrier Linus und seiner ‚Schwester‘ Elia. Linus war ein sehr sensibler kleiner Hund, der zu Übersprunghandlungen neigte. Wir hatten ihn auch aus dem Tierheim Bochum, wo nach dem Tod von Moritz tatsächlich wieder ein Foxterrier auf uns wartete. Wir betrachteten das als Wink des Schicksals und nahmen ihn auf, trotz der Warnung, dass er unter Schock beißen könnte. Nach einiger Zeit mit relativ erfolgloser Therapie gegen diese Vorfälle (die immer wieder vorkamen, z.B. wenn er irgendwo lag und sich ihm plötzlich jemand näherte), entschlossen wir uns, ihm eine Freundin zu suchen. Wir fanden Elia, eine gestandene Griffon Dame (sehr hübsch, wie wir fanden, mit großen Augen und rotbraunem Fell) aus einem Tierheim in Westfrankreich. Linus und Elia wurden nie ganz dicke Freunde, tolerierten sich jedoch, wobei Elia Linus manchmal zeigte, wo es lang ging.

Wir reisten einmal im Sommer mit beiden Hunden an die belgische Küste. Abends gingen mein Mann und ich ins Restaurant. Wir ließen die Hunde im Hotelzimmer, was sich bis dahin als völlig in Ordnung erwiesen hatte. Allerdings konnte man die Tür nur durch Drehen eines Knopfes von außen abschließen. Als wir dann nach dem Essen im Aufzug auf unsere Etage zurückkehrten und sich der Aufzug öffnete – siehe da, warteten zwei Hunde auf uns. Sie standen ganz brav und ohne ein Wässerchen zu trüben weit weg von unserem Hotelzimmer im Gang vor dem Aufzug. Beabsichtigten sie an den Strand zu gehen, der gerade außerhalb des Hotels war? Hatten sie ein Date? Waren sie auf dem Weg zu einem geheimen Hundetreffen mit dem Ziel der Weltherrschaft?
Wir fanden dann heraus, dass Elia ausgezeichnet Türen öffnen konnte, besonders französische und offensichtlich auch belgische. Und Linus konnte nicht widerstehen, ihr nach draußen zu folgen. Zum Glück hatten sie es nicht bis zum Strand geschafft.“

Mir hat diese Geschichte sehr gut gefallen. Ihnen auch?

Ihre Tierarztfrau