Zwei Katzen im Wald

Als mein Mann und ich mit unseren Hunden in der Waldau spazieren waren, haben wir uns getrennt, da Elli (unser zweiter Hund)  mit ihrem operierten Bein noch nicht weit gehen konnte und wollte. Als wir uns dann wieder trafen, erzählte mein Mann mir, dass er gerade etwas sehr komisches gesehen hätte. Ich war gespannt. Er meinte, er hätte gerade einen Mann gesehen, der zwei Katzen in zwei Transportkörben durch den Wald getragen habe. Er war so perplex gewesen, dass er einfach weiter gegangen ist. Ich habe ihm Vorwürfe gemacht und wir sind sofort mit flottem Schritt hinterher, um den Mann sozusagen „auf frischer Tat“ zu ertappen. Wir waren uns sicher, dass er die Katzen irgendwo aussetzen wollte. Im ersten Anlauf fanden wir ihn jedoch nicht. DAS war für uns natürlich noch verdächtiger. Wir fassten den Entschluss, nochmal Richtung Wildgehege detektivisch tätig zu werden und wollten ihn einkreisen. Ich ging von der einen Seite rum, mein Mann von der anderen. Ich stellte mich im Wald sogar noch auf ein paar Bänke, um zu sehen, ob sich jemand im Dickicht rumtrieb. Schließlich sah ich meinen Mann von weitem heftig winken. „Komm schnell,“ rief er mir zu. „Da ist er“, und zeigte in Richtung Hirschgehege. Und richtig, da stand ein Mann, in jeder Hand einen Katzenkorb. Ich stürmte auf ihn zu und „stellte“ ihn vor dem Rotwild. „Haben Sie da Katzen in den Körben?“ fragte ich ihn, noch mit ausreichender Contenance, um nicht sofort angreifend zu wirken. Er blickte mich erstaunt an. „Ja, das sind meine Katzen. Ich führe sie jeden Tag spazieren. Wissen Sie, ich komme vom Laggo Maggiore und bin hier für 14 Tage zu Besuch. Da kann ich sie ja nicht rauslassen. Damit sie trotzdem rauskommen, gehe ich jeden Tag mit Ihnen eine Stunde rum. Dann sind sie entspannter.“ Das alles trug er mit einem italienischem Akzent und so selbstverständlich vor, dass ich ihm zu 100% glaubte. Darüber hinaus waren wir bereits ein paar Mal in Norditalien mit Odin zu Besuch und das war stets ein Schaulaufen. Norditaliener sind verrückt mit ihren Tieren, liebevoll gemeint. Daher war ich sofort überzeugt, dass er die Wahrheit sagte. Ich erklärte ihm noch leicht stotternd, dass ich gedacht hätte, er würde die vielleicht irgendwo abstellen wollen. Daraufhin war nicht mal beleidigt, sondern erklärte nur, dass das doch seine Lieblinge seien. Wir zogen von dannen.
Als wir Revue passieren ließen, wie wir da durch den Wald geschlichen waren, um einen Katzenaussetzer einzukreisen und zu stellen, mussten wir dann doch herzlich lachen. Ich hoffe sehr, dass dieser Norditaliener in Bonn noch viele schöne Plätze mit seinen Katzen besucht hat. Von detektivischem Vorgehen sehen mein Mann und ich erstmal ab.

In diesem amüsierten Sinne
Ihre Tierarztfrau