Die Highlights 2021

Liebe Leser:innen,

ich habe meine Kollegen gefragt, was Ihre Highlights 2021 in der Praxis waren. Und das fiel einigen spontan dabei ein:

Unsere TFA A. Jakobi fand den Kaiserschnitt beim Igel beeindruckend:

Im Juli kam Frau H. mit einem Igel zu uns. Sie leitet eine Igelstation hier in Bonn. Es stellte sich heraus, dass der Igel schwanger ist und das Baby im Mutterleib verstorben war. Eine Sepsis, das heißt, eine Blutvergiftung drohte. Wir haben uns daraufhin entschlossen, einen Kaiserschnitt durchzuführen. Da wir natürlich Erfahrung in Weichteiloperationen haben, war der Teil Routine. Spannend war jedoch die Narkose, denn einen Igel haben wir für eine OP bisher nicht schlafen gelegt und das Management ist dann ein ganz anderes, als wenn ich die kurz schlafen lege, um Wunden zu behandeln. Es ist aber alles gut gegangen und die Igeldame läuft seit dem Sommer wieder munter durch Bonn.

„Wir machen ja jede Menge Kastrationen. Aber bei einem Igel – das war beeindruckend. Vor allem war die Narkose ein Thema, da es dazu wenig bis gar nichts nachzulesen gibt. Aber wir haben es geschafft.“

Dr. Bindl hat noch gut seine OP beim geplatzten Kropf einer Taube im Kopf:
Die Taube kam durch die Taubenrettung zu uns. Sie hatte gefressen und war dann vermutlich mit gefüllten Kropf gegen eine Scheibe geflogen. Es sah schlimm aus, aber nur weil etwas schlimm aussieht, darf man nicht sofort aufgeben. Genau so hat Dr. Bindl auch gedacht und den Kropf genäht. Zwei Tage später konnte man der Taube fast beim Heilen zusehen. Jetzt fliegt sie wieder mit ihren Taubenfreunden in der Gegend rum.
„Es war absolut erstaunlich zu sehen, wie schnell das ganze heilte. An einem Tag war noch alles aufgeplatzt und sah danach aus, als würde es nie wieder was werden. Natürlich versuchen wir trotzdem immer alles, was in unserer Macht steht. Und es hat sich gelohnt. Ein paar Tage später war fast alles wieder gut.“

Dr. Klaus erinnerte sich spontan an das kleine Schildkrötenwunder:

„Das ist eine meiner schönsten Schildkrötengeschichten in diesem Jahr. Und eine der schlimmsten. Diese kleine Schildkröte lebt zusammen mit anderen Schildkröten in einem Freigehege, mit Frühbeet und Technik, bei einer sehr erfahrenen und passionierten Schildkrötenhalterin. Im Frühjahr passierte ein furchtbares Unglück. Bei Arbeiten im Gehege wurde diese kleine Kröte mit der Spitzhacke verletzt. Der Panzer wurde gespalten. Das Tier habe ich zu einem Spezialisten überwiesen, mit den Möglichkeiten einer stationären Aufnahme. Dort war die Kröte für 2 Wochen und die Nachsorge habe ich dann wieder übernommen. Die Schildkröte konnte anfangs die Hinterbeine nicht bewegen, setzte keinen Kot und keinen Urin ab. Die Panzerfraktur entzündete sich zum Glück nicht, aber ob und wie schlimm die Nerven verletzt wurden konnten wir nicht sagen. Aber wir machten weiter. Es war ein tolles Zusammenspiel zwischen Besitzerin und behandelnden Tierärzten – regelmäßige Infusionen, Physiotherapien, kloakale Manipulationen, Tupferproben wegen bakteriologischen Untersuchungen. Und dann? Fast 5 Monate später konnte die Panzerfraktur endgültig verklebt werden, die Schildkröte setzt selbstständig Kot,Urin und Harnsäure ab. Ein Bein kann sie wieder vollständig bewegen, das andere Bein zieht sie derzeit noch nach. Aber ich bin mir sicher, auch das wird dieser kleine Kämpfer hinkriegen.“

Unsere Auszubildende M. Schütze erinnert sich an ihr erstes Röntgen eines Wellensittichs:

Eine Besitzerin kam mit einem Wellensittich, der eines seiner Beine hochzog. Sie vermutete Probleme am Fuß. Es wurde jedoch nicht nur ein Röntgenbild des Fußes gemacht, sondern der ganze Vögel geröngt. Denn Frau Dr. Klaus vermutete zu Recht, dass das Problem nicht am Fuß lag. Es stellte sich heraus, dass der Vogel einen Tumor am Hoden hatte.
„Ich hatte noch nie einen Wellensittich geröngt und war erstaunt, dass wir alles röntgen wollten. Aber Frau Dr. Klaus wusste genau, was wir zu tun hatten und letztlich ging es wirklich nicht um den Fuß.“

Dr. Waldmann entschied sich schließlich für die Operation einer Pyometra, einer vereiterten Gebärmutter:

Kurz vor Weihnachten kam eine Hündin zu uns, der es nicht gut ging. Sie trank viel, hatte erhöhte Temperatur. Die Anamnese ergab schnell, dass sie kurz zuvor läufig gewesen war. Das Blutbild plus Ultraschall erhärtete den Anfangsverdacht: durch die Läufigkeit war es in diesem Fall zu einer Entzündung und Vereiterung der Gebärmutter gekommen. Eine Not-OP war notwendig und wir führten diese direkt durch. Der Hündin ging es man nächsten Tag direkt viel besser.
„Diese OP war eine runde Sache, das hat mir gut gefallen. Der Hündin ging es sehr schlecht und einen Tag später deutlich besser. So ein Erfolg macht Spaß.“

TÄ Hirtsiefer fiel spontan eine Katze mit einem Pleuraerguss ein:

Die Katze kam zu uns, weil es ihr sehr schlecht ging. Frau Hirtsiefer hörte die Katze ab und als Kardiologin bemerkte sie direkt, dass das Herz sich nicht richtig abhören ließ. Es wurde ein Röntgenbild gemacht, das bestätigte, dass die Katze einen Erguss in der Auskleidung des Thorax hatte. Frau Hirtsiefer hat so viel Flüssigkeit wie möglich abpunktiert. Es war jedoch klar, dass es eine Ursache dafür geben musste. Das Blutbild zeigte eine Schilddrüsenüberfunktion. Da diese unbehandelt war, war mittlerweile das Herz in Mitleidenschaft gezogen. Ohne weitere Hilfe wäre die Katze erstickt. Mit dem richtigen Schilddrüsenmedikemant, einer erneuten Punktion – diese war nötig, da das Medikament einen Wirkspiegel aufbauen muss – und einem zusätzlichen Herzmedikament lebt die Katze heute noch bei ihren Haltern.
„Die Katze war dem Tode näher als dem Leben, als sie zu uns kam und das alles nur wegen der Schilddrüse. Und mit den Medikamente und der Punktion konnten wir dafür sorgen, dass sie immer noch lebt. Der Kontrast war erstaunlich.“

Ich musste nicht lange überlegen:
Ich hatte ein paar Wochen ein Huhn. Und das kam so: Das Huhn wurde uns vorgestellt in einem sehr schlechten Allgemeinzustand. Die Halter wollten jedoch eigentlich weder behandeln noch das Huhn erlösen, nachdem sie über die Kosten aufgeklärt worden waren. Wir konnten uns schließlich darauf einigen, dass das Huhn von unserer Tierärztin übernommen wurde. Da jedoch nicht ganz klar war, welche Krankheit zugrunde lag, konnte sie es nicht direkt mit ihren Hühnern vergesellschaften. Ich bot ihr an, es für eine Übergangzeit in ein Igelgehege bei uns im Garten zu setzen. Jeden Abend trug ich Uda und ihre Schlafbox ins Haus, morgens kam sie wieder raus. Sie zog dann noch für eine kurze Zeit zu einer Hühnerschar, verstarb dann jedoch. So hatte sie aber immerhin noch eine schöne, letzte Zeit.


Das sind unsere Highlight. Es gibt natürlich noch soooo viel mehr Geschichten. Die erzähle ich Ihnen natürlich gerne weiter in diesem Blog. Bleiben Sie dran!

Ihre Tierarztfrau

Ein Gedanke zu “Die Highlights 2021

  1. Die Highlights 2021 haben mich sehr berührt und gezeigt, dass man nie aufgeben sollte. Es gibt immer einen Weg oder zumindest die Möglichkeit den Tieren durch unseren Einsatz noch schöne Tage in ihrem Leben zu bereiten. Danke.

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