Fragen aus der Praxis (2)

Vom letzten Beitrag sind noch folgende Fragen offen: Würde mein Mann mit seinem Wissen wieder Tierarzt werden? Was macht gar keinen Spaß? Und was macht uns am meisten Spaß?

Ich habe meinen Mann schon des Öfteren selbst gefragt und er antwortet immer dasselbe: Ja, er würde wieder Tierarzt werden. Der Beruf macht ihm Spaß, da er mit Tieren, Menschen und oft auch Rätseln zu tun hat (siehe unter anderem die „Dr. House“-Beiträge). Er operiert gerne und ist unglaublich gut darin, eine Diagnose zu finden. Im Gegenzug ist er furchtbar frustiert, wenn es keine eindeutige Diagnose gibt. Und ja, das kommt tatsächlich mal vor. Leider können Tiere nicht reden. Und wir sind alle nur Menschen. Ihm macht es auch Spaß, im Team zu arbeiten. Er ist nicht der beste Leher, aber wenn er gefragt wird, erklärt er ausführlich und so, dass es alle verstehen. Er hat ein großes Herz, auch wenn man das nicht auf den ersten Blick vermuten würde und wenn es um Tiere geht, versucht er, fast alles möglich zu machen. Also kann ich besten Wissen und Gewissens seine Antwort glauben, dass er wieder Tierarzt werden würde.

Was uns keinen Spaß macht, sind die Menschen, die ihre Tiere nicht gut behandeln. Da hätten wir den alten Hund, bei „dem es sich ja nicht mehr lohnt“ noch was zu tun. Die Katze, „für deren Medikamente ich aber keine Zeit habe“. Es gibt das Kaninchen, das sein Leben in Einzelhaft verbringt, denn „das ist okay, das kennt es so“. Oder die viel zu dicken Tiere, von denen es heißt „Ich füttere schon ganz wenig, der bekommt fast nichts“. Oder die Tiere, die zum Einschläfern gebracht werden, obwohl die Halter nur überfordert sind. Oder die Tiere, die wir erlösen, bei denen ich weine, weil sie bis dahin ein schlimmes Leben hatten (das kann man sehen!). Und natürlich schläfern wir kein Tier ein, weil ein Halter überfordert ist und wo das Veterinäramt einzuschalten ist, schalten wir es ein (nur, um das auch gesagt zu haben).

Was uns viel Spaß macht, sind alle Menschen, die sich um ihr Tier gut kümmern. Und was uns richtig viel Spaß macht, sind die Menschen, die sich um alle Tiere gut kümmern: die, die eine verletzte Taube zu uns bringen; die, die Wildvögel päppeln; die, die eine zugelaufene Katze zum Chip-auslesen bringen; die, die nicht wegsehen, wenn es einem Tier schlecht geht. Uns macht es auch Spaß, wenn man die tolle Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Liebling sieht. Uns macht es Spaß, wenn eine Behandlung, Operation oder ein Medikament wirksam war und es Ihrem Tier besser geht. Uns macht es Spaß, wenn Sie sich freuen.

Wenn Sie noch eine Frage haben, die wir Ihnen beantworten sollen: immer her damit. Wir freuen uns auch über Fragen!

In diesem Sinne
Ihre hocherfreute Tierarztfrau