Elvis auf Freiersfüßen

Unseren Nachbarshund Elvis kennen Sie ja bereits. Er ist ein kleiner Schlawiner. Vor kurzem musste mein Mann wegen eines Notfalls noch in die Praxis. Auf dem Rückweg sah er am Straßenrand einen weißen, kleinen Hund und einen Mann, der versuchte, ihn festzuhalten und sich suchend umsah. 10 Meter weiter wurde meinem Mann klar, dass das unser Nachbarshund Elvis war und er den Mann nicht kannte. Er bremste, parkte das Auto und ging die Straße zurück. Der Mann erzählte ihm, dass er den Hund sicherte, weil er auf der Straße rumgelaufen sei. Als Ansgar ihm sagte, dass das Elvis sei, unser Nachbarshund, war er sehr erleichtert. Aber Elvis wollte auf keinen Fall von seiner amourösen Fährte abgehalten werden und knurrte meinen Mann an. Er rief mich an, ich sollte kommen und helfen. Ich lief los – in Pantoffeln, musste ja schnell gehen. Ich wollte mir gerade einen Scooter mieten, als er wieder anrief. Elvis war doch im Auto und beide zusammen auf dem Heimweg.
In der Zwischenzeit klingelte ich bei unserer Nachbarin. Sie war nicht zuhause. Ich rief sie auf dem Handy an und hörte das Handy drinnen bei ihr klingeln. Mir war sofort klar: Da musste was passiert sein. Bestimmt lag sie ohnmächtig im Haus und Elvis war irgendwie aus dem Garten entwischt. Als ich meinem Mann von meiner Vermutung erzählte, lachte er mich aus. Er meinte, dass Barbara das Handy nur beim Spazieren gehen nicht mitgenommen hatte und ich zu viele Krimis lesen würde. Hmpf.

Wir diskutierten kurz und beschlossen, 15 Minuten zu warten, er zuhause mit Elvis und unseren beiden und ich auf der Straße, Barbara suchend. Nach 2 Minuten sah ich sie schon von Weitem auf mich zukommen. Ich brüllte über die Straße: „Elvis ist bei uns.“, damit sie erstmal keine Sorgen mehr hätte. Sie bestätigte dann, dass sie das Handy beim Gassi gehen zuhause ließe. Elvis war nur 10m von ihr entfernt gewesen und um eine Straßenecke gegangen. Als er bemerkt hat, dass er außer Sicht war, muss er seine kleinen, krummen Beinchen in die Hand genommen und sich aus dem Staub gemacht haben. Als stattlicher Westhighland-Terrier – voll ausgestattet – hatte er schließlich einen Auftrag im Leben. Und irgendwohin musste die Fährte der läufigen Hündin ja führen. Sein Frauchen hätte das bestimmt nicht zugelassen. Was war also die logische Konsequenz: ab durch die Mitte. Als Barbara nämlich eine Sekunde später an der Straßenecke ankam, war von Elvis nichts mehr zu sehen.
Gut, dass mein Mann einen Notfall hatte und ja, ich lese zu viele Krimis.

In diesem Sinne
Ihre viellesende Tierarztfrau