6 Gründe, warum ich manchmal nicht gerne arbeite

Puh, wir starten ins Jahr 2021 und ich komme mit so einem Thema? Ja, denn danach kann ich wieder ein paar lustige Geschichten schreiben, bis mich was Neues aufregt. Jetzt also: Warum ich manchmal nicht gerne arbeite.

  1. Wenn uns Geldgier unterstellt wird

Einer der beliebtesten Vorwürfe ist folgender: „Ihnen geht es nur ums Geld!“
Alternativ dazu: „Sie haben kein Herz für Tiere!“ (wenn wir nicht umsonst arbeiten wollen)
„Ist es nicht Ihre Pflicht, Tieren zu helfen?“ (umsonst natürlich)
Zu allerst: Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen. Wir zahlen Miete, Gehälter, Medikamente, Verbrauchsmaterialien und noch vieles mehr. Daher ist es selbstverständlich, dass wir unsere Leistung berechnen. Das bedeutet nicht, dass wir kein Herz für Tiere haben. Jeder, der uns und viele andere Tierärzte kennt, weiß, dass wir immer versuchen, alles möglich zu machen, aber – und hier gefällt es dann wieder einigen nicht – immer im Sinne und zum Wohl des Tieres. Das bedeutet, dass wir kein Tier einschläfern, weil das günstiger ist als eine Operation. Das bedeutet auch, dass wir eine gründliche Zahnsanierung anbieten, die nicht nur 150€ kostet. Und wer grundsätzlich auf die Finanzen achten muss, für den erstellen wir gerne einen Kostenvoranschlag und sprechen während der Behandlung die Preise ab. Wir möchten die bestmögliche Behandlung anbieten, aber nicht kostenlos!

2. Wenn wir ein Tier erlösen, weil es sich aufgrund einer Qualzucht furchtbar quält.

Zur Qualzucht gehören unter anderem folgende Tiere: alle Hunde mit platten Nasen (sie bekommen keine Luft, siehe Blogbeitrag „Kurznasen“), Schäferhunde, deren Hüftlinie sich derart nach unten neigt, dass die Hüfte bereits bei der Geburt schmerzt, Cavalier King Charles Spaniel, deren Kopf so deformiert gezüchtet wurde, dass er bei einigen aufs Gehirn drückt, Nackthunde und -katzen (kein Fell), Scottish Fold Katzen, deren Ohren nur durch einen Gendefekt entstehen, der den gesamten Knorpel im Körper betrifft und zu schlimmsten Knochendeformationen führt, der Dackel mit seiner langen Wirbelsäule (Bandscheibenvorfälle einprogrammiert), der Shar-Pei, der durch seine Falten keine Mimik mehr zeigen kann – das sind nur einige Tiere, die wir gezüchtet haben, damit sie uns gut gefallen.
Vor einiger Zeit mussten wir ein Tier dieser Art erlösen, es handelte sich um eine Katze, eine Scottish Fold. Die Katze war 1,5 Jahre alt und lief nicht mehr. Alle Füße waren so furchtbar deformiert durch die Erbkrankheit, dass uns selbst das Betrachten der Röntgenbilder weh tat. Die Halter wussten nichts von dieser Erbkrankheit, sie liebten ihre Katze sehr. Wir mussten das Tier erlösen, wer uns kennt, weiß, wie schwer uns das Herz dabei ist. Mal ganz abgesehen von den Tierhaltern, denen das schlimmste passiert ist, was passieren kann: seinen Liebling erlösen, obwohl der so jung ist und eigentlich das Leben noch vor sich haben könnte. Jetzt könnten einige sagen, dass man sich doch da vorher informieren sollte. Ja, das stimmt zwar und die Halter haben das in einer harten Lektion gelernt, aber sollte so eine Zucht nicht einfach verboten werden?

3. Sich einen Hund anzuschaffen, weil man die Rasse „schön“ findet.

Sie wollen sich einen Hund anschaffen? Prima, ein Hund ist toll. Aber informieren Sie sich bitte vorher. Ein Beispiel: Was wollen Sie mit einem Australian Shepherd, wenn Sie keine Schafherde haben? Diese Hunderasse gehört zu den intelligentesten. Sie wurden als Hütehunde gezüchtet und genau das ist ihre Aufgabe. Wenn sie nichts zum Hüten haben, langweilen sie sich. Und dann sucht er sich selbst eine Aufgabe, hütet z.B. die Familie. Es gibt ausreichend Geschichten von verhaltensauffälligen Hütehunden, die eigentlich gar nicht auffällig sind, wenn sie nur das dürften, wofür sie gemacht wurden: hüten.

Und wie finden Sie jetzt den passenden Hund? Es gibt unglaublich tolle Familien- und Begleithunde, die wurden nur für diesen Zweck gezüchtet. Suchen Sie sich aus diesen Rassen einen aus, wenn er nur ein Familienhund sein soll. Informieren Sie sich!

4. Medizinische Behandlung für ein Tier verweigern

Das erleben wir auch: Aus den unterschiedlichsten Gründen werden einem Tier die medizinisch notwendigen Medikamente nicht gegeben. Das beste Beispiel sind Schilddrüsenmedikamente für die Katze. Ja, es ist schwierig, einer Katze Medikamente zu geben. Aber gerade bei einer Schilddrüsenerkrankung ist es notwendig. Katzen haben im Normalfall eine Überfunktion der Schilddrüse, das führt zu schnellerem Herzschlag, schnellerem Stoffwechsel etc. Auf Dauer wird hier das Herz angegriffen, so dass bei einer fehlenden Behandlung das Tier vermutlich an einer Herzerkrankung versterben wird. Sie bekommen die Pillen nicht in das Tier: Holen Sie sich die Medikamte in flüssiger Form. Sie bekommen das auch nicht rein: Es gibt sogar eine Salbe, die Sie in die Ohren einmassieren können. Wenn Sie eine Wildkatze haben, kann ich mir in einigen, wenigen Fällen auch vorstellen, dass es gar nicht geht. Aber niemals gilt das für alle Fälle, die uns vorgestellt werden. Wenn Sie einem Tier Medikamente verweigern, kann es deswegen sterben. Bedenken Sie: Das Tier hat nur Sie!

5. Ein Tier einschläfern wollen, anstatt es abzugeben

Es kommt (selten) vor, dass Halter mit einem Tier zu uns kommen, dass sie einschläfern wollen, wir das aber nicht machen. Vielleicht hat der Halter kein Geld für eine notwendige Operation, vielleicht ist er überfordert, vielleicht will er das Tier auch einfach los werden – das sind alles legitime Gründe, das Tier abzugeben. Denn wenn ein Tier noch eine Chance hat, schläfern wir das Tier nicht ein. Wir bieten dann an, dass das Tier dem Tierheim überschrieben wird und wir es behandeln. Das Tierheim erstattet uns dann einen Teil der Kosten. Was wir aber gar nicht verstehen, ist es, wenn das Tier eingeschläfert werden soll, obwohl es eine Chance hat, nur weil die Halter meinen, es solle nicht ins Tierheim. Wir hatten mal eine Tierhalterin hier, die uns fragte, was sie dann ihren Kindern sagen solle? Ich war ein wenig fassungslos. Einschläfern ist besser als Tierheim? Nur um das einmal ganz klar zu sagen: Das Tierheim ist kein Ort der Hölle. Den Tieren geht es dort gut. Sie haben ein Dach über dem Kopf, Futter, Wasser, Auslauf und sehr viele liebe Leute, die streicheln oder Gassi gehen. Ja, eine eigene Familie ist bestimmt schöner, aber das Tierheim ist kein schlechter Ort. Und auf jeden Fall besser als der Tod!

6. Den Mund-Nasen-Schutz nicht ordentlich tragen

Diesen Punkt tausche ich vielleicht nochmal aus, aber im Moment ist er sehr aktuell. Wir müssen unsere Tierhalter immer wieder darauf hinweisen, dass sie bitte den Mund-Nasenschutz korrekt tragen. Da hängt der unter der Nase, wird ganz runter gezogen oder er wurde ganz vergessen. Wie kann das heute noch sein? Und wenn wir freundlich darauf hinweisen, werden wir angerüffelt. „Ich bekomme keine Luft.“ Wir tragen den ganzen Tag die Masken – wir leben alle noch. Hier muss allen gesagt sein, dass uns unsere Gesundheit sehr wichtg ist. Wenn Sie keine Maske tragen wollen, können Sie uns gerne Ihr Tier vor der Tür überreichen. Aber ohne Maske kommt niemand in unsere Praxis.