Halt mal an

Der Satz, der meinen Mann das Fürchten lehrt: „Halt mal an.“ Denn dieser Satz fällt immer dann, wenn ich ein verletztes Tier auf der Straße sehe. Egal, wohin wir gerade fahren.

Das bedeutet, „Halt mal an“, wenn wir wie gestern Abend auf dem Weg zum Essengehen sind. Auf der Straße saß eine Taube und rührte sich nicht. Ich also aus dem Auto raus, Taube eingesammelt, an der Praxis vorbei gefahren, Taube erstversorgt und dann essen gegangen.

„Halt mal an“, als wir unsere Katze Mini unter einem Auto gefunden haben.

„Halt mal an“ als ich dachte, auf der Autobahn eine Katze gesehen zu haben. Nun gut, anhalten ging nicht, aber wir sind abgefahren, zurück gefahren, wieder ab und nochmal dran vorbei. Es war eine Tüte. Sah für mich aus wie eine Katze…

„Halt mal an“, als ich eine Taube im Gras an einer Böschung sah. Ich musste durch ziemlich viel Gestrüpp zur Taube kraxeln, die dann wegflog. Aber man weiß halt nie.

Und letztens hatte mein Mann seinen eigenen „Halt mal an“-Moment. Er war alleine auf der Autobahn unterwegs und meinte, in der Böschung etwas gesehen zu haben. Dann folgt das Wende-Manöver: Runter fahren, wieder drauf in die Gegenrichtung, wieder runter und nochmal dran vorbei. Es war ein Stück Gummi.

Aber genau so ein „Halt mal an“-Moment hat uns Murkel beschert. Eine Frau war auf der Autobahn unterwegs und hat beim Abfahren eine Bewegung gesehen. Sie fuhr also nochmal rum und blieb am Rand stehen (es war nachts und ruhig) und da hat sie eine kleine Katze gefunden. Sie hat ihn in die Klinik meines Mannes gebracht, der ihn über Nacht da behielt und am nächsten Morgen zog Murkel dann bei uns ein.

„Halt mal an“-Momente können also alles sein: Hirngespinste, anstregend, Zeit raubend, überraschend und schön, aber eines sind sie nie: überflüssig.

In diesem Sinne
Ihre anhaltende Tierarztfrau