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Ein Nachmittag beim Tierarzt

Da ich Ihnen bereits einen Vormittag beim Tierarzt vorgestellt habe, darf natürlich ein Nachmittag nicht fehlen:

Am Empfang sitzt Vanessa und telefoniert. Der Terminplan ist bereits voll und sie nimmt nur noch Notfälle an. Der Hund, „der sich kratzt“, muss dann bis nächste Woche warten. Ebenso die Katze, die in den letzten Wochen immer mal wieder erbrochen hat, jetzt aber putzmunter ist. Dennoch nehmen wir beide Fälle ernst. Der Hundehalterin empfehlen wir als erstes, sich eine Flohprophylaxe abzuholen. Der Katzenhalter wird aufgeklärt, dass Erbrechen für verschiedene Krankheiten ein Symptom sein kann und bei einer Katze von 8 Jahren ein Blutbild sehr sinnvoll ist. Der Termin wird auf den kommenden Dienstag festgelegt. Kim räumt derweil den OP auf und Anna kümmert sich um die Stationstiere. Es wird Fieber gemessen, Venenkatheter und Vitalfunktionen geprüft. Es treffen am Empfang jetzt auch die ersten Patienten ein. Frau Dr. Hirtsiefer behandelt ein Meerschweinchen mit Bauchschmerzen und mein Mann untersucht die Pfote eines Hundes, der seit Tagen daran leckt. Er entscheidet, dass der Hund schlafen gelegt werden sollte, um nach einem Fremdkörper in der Pfote zu suchen. Das erzeugt leichte Hektik am Empfang. Die Kunden, deren Termine später am Nachmittag sind, werden angerufen und gefragt, ob sie an diesem Tag zu einer anderen Zeit kommen können oder ob der Termin ganz verschoben werden soll. Die Kunden, die bereits warten, werden von Vanessa aufgeklärt, dass es jetzt etwas dauert. Bis der Fuß rasiert und vorbereitet ist, impft mein Mann noch eine Katze. Gabi passt derweil auf den Hund auf, während Alessia weiter in der Behandlung hilft.

Frau Dr. Hirtsiefer untersucht einen Hund mit Verdauungsbeschwerden. Es wird ein Test auf Giardien angeordnet. Dazu wurde der Hundehalterin bereits bei der Terminvergabe mitgeteilt, dass sie den Kot ihres Hunde sammeln soll, falls dieser bei der Untersuchung gebraucht wird. Mit diesem Sammelkot wird jetzt die Untersuchung auf die parasitären Einzeller gemacht. Die Laboruntersuchung übernehme ich, da Vanessa mit dem Telefon und der Medikamentenausgabe beschäftigt ist. Während die Hundehalterin auf ihren Test wartet, behandelt Frau Hirtsiefer eine Katze mit einer Augenentzündung. Gerade bei Augenentzündungen ist eine gründliche Untersuchung wichtig. Denn bei einer Hornhautverletzung sind beispielsweise bestimmte Mittel extrem schädlich fürs Auge. Die Hornhaut ist aber unverletzt und der Tierhalter bekommt eine Salbe mit für das Auge und vereinbart bei Vanessa einen Kontrolltermin.
Mittlerweile hat mein Mann die Pfote des Hundes untersucht und eine Granne entfernt. Grannen sind Pflanzenteile von Getreidepflanzen, die Widerhaken haben und tief ins Gewebe wandern können. Sie sind manchmal schwer zu finden. Der Hund bekommt einen Verband und einen Hundeschuh als Schutz. Als nächsten Patienten hat mein Mann einen Mops mit einer entzündeten Analdrüse. Das ist schmerzhaft, aber gut behandelbar. Der Hund bekommt Salbe, ein Schmerzmittel und Antibiose mit. Vanessa erklärt dem Halter am Empfang, wie er alles zu geben hat.

In der Zwischenzeit räumt Kim weiter auf. Wenn alles eingeweicht, gereinigt und für den Sterilisator eingetütet ist, desinfiziert sie sämtliche Flächen im sterilen und unsterilen OP. Die Zahnstation wird durchgespült und zur Seite gestellt. Dann bringt sie Wäsche nach unten in den Waschkeller, die Waschmaschine läuft bei uns fast den ganzen Tag.

So läuft der Nachmittag dahin. Manchmal schaffen wir es, halbwegs pünktlich fertig zu werden. Es gibt aber auch die Nachmittage, an denen ein Hund zum Termin erscheint, der 6 Wochen nach Läufigkeit Ausfluss hat, viel trinkt und dem es irgendwie nicht gut geht. Wir machen Blutwerte und einen Ultraschall. Es handelt sich um eine Gebärmuttervereiterung, die sofort operiert werden muss. Das bedeutet, wir besprechen, wer die OP vorbereitet, wer assistiert und wer bis spät abends bleibt. Direkt nachdem der letzte Patient gezahlt hat, geht es dann an die OP. Manchmal kommt ein Tier auch mit weniger klaren Symptomen. Ein Hund hatte Durchfall und Erbrechen, eigentlich nichts Schlimmes. Nach einem Tag ging es ihm aber richtig schlecht. Wir haben ihn stationär aufgenommen und ein Blutbild gemacht. Die Werte deuteten auf eine akute Addison-Krise hin. Das bedeutet, dass die Nebennniere, die für die Produktion von Mineral- und Glukokortikoiden zuständig ist, nicht mehr arbeitet. Ein weiterer Test bestätigte die Diagnose. Der Hund wird jetzt medikamentös eingestellt und bekommt sein Leben lang Medikamente. Das beeinträchtigt ihn aber erstmal nicht und er kann mit seiner Familie ein glückliches Leben führen.

Am Ende des Tages schließen wir die Kasse. Alle Mülleimer werden geleert, Handtücher gewechselt, ebenso Schwammtücher. Tische und Flächen werden gereinigt. Das Labor wird aufgeräumt und die Proben für das externe Labor kommen in den Laborbriefkasten. Die holt später der Laborfahrer ab. Das Arztschild wird ausgemacht, alle Lichter ebenso. Alle ziehen sich um, reden über die spannendsten Fälle und freuen sich auf den Feierabend.

Und am nächsten Tag geht dann alles wieder von vorne los. Und das ist gut so.

In diesem Sinne
Ihre gerne arbeitende Tierarztfrau

Senor Rudi, Fuerteventura

Es ist mal wieder einige Zeit ins Land gegangen, aber endlich bin ich wieder in der Stimmung und habe die Zeit, Ihnen eine neue Geschichte aus dem Leben der Tierarztfrau zu erzählen.

Mein Mann und ich waren gerade für ein paar Tage auf Fuerteventura. Am ersten Abend waren wir essen, die Restaurants haben bei einer Inzidenz unter 10 geöffnet. Auf dem Rückweg zurück zu unserem Ferienhaus huschte eine kleine, dunkle Gestalt vor unseren Füßen über die Straße in die Rabatten. Ich war mir zuerst sicher: eine Ratte. Mein Mann stimmte mir zu. Dann blieb die „Ratte“ aber sitzen und ich überdachte meine Wahl. „Das ist ein Igel“ – ich war mir sicher. Mein Mann: „Das ist eine Ratte, das ist doch kein Igel.“ „Das ist ein Igel.“ „Das ist eine Ratte.“ Das hätte noch lange so weitergehen können, aber wozu hat das Handy eine Taschenlampe? Es war – ein Igel, um genau zu sein ein afrikanischer Weißbauchigel. Was für ein Zufall. Mein Mann meinte trocken: „Die folgen Dir bis nach Fuerteventura.“ Ich musste lachen. Aber dann überlegte ich mir, wie das vielleicht abgelaufen sein könnte….

Im Igelhauptquartier in Deutschland: hektisches Hin- und Hergehusche, Igel tuscheln miteinander. Schließlich kommt der alte Silberrücken, äh, Silberstachel in den Raum. „Igelstation Henriette, Kessenich – die Tierarztfrau verreist. Wir brauchen eine Delegation.“ „Wohin reist sie?“ „Spanien.“ „Genauer?“ „Kanaren.“ Betretenes Schweigen macht sich breit. Der Silberstachel: „Kanaren…welche Insel? Hoffentlich nicht Fuerteventura.“ „Fuerteventura.“ Alle schweigen wieder. „Ja, nun“, räuspert sich der Silberstachel. „Da haben wir…“, er blättert hektisch in den Unterlagen. „Nur Rudi.“ Allgemeines Aufstöhnen. „Das geht nicht. Rudi hat es bisher immer vermasselt. Wir können nicht Rudi schicken. Was ist mit Maria?“ „Maria ist im Mutterschutz.“ „Carlo?“ „Friede seiner Asche.“ „Also Rudi?“ „Ja, Rudi.“ „Ob er es diesmal schafft, seine Schüchterheit zu überwinden?“ „Die Tierarztfrau ist nett, die wird es verstehen.“

Machen wir es kurz. Das ist Rudi:

Er hat seine Schüchternheit nicht überwunden. Dennoch haben wir uns sehr gefreut, über diesen „Empfang“ auf Fuerteventura. Das ist der erste afrikanische Weißbauchigel, den ich bisher in freier Wildbahn gesehen habe.

In diesem Sinne
Ihre hocherfreute Tierarztfrau

Hubi auf der Flucht

Wie Sie ja alle wissen, habe ich in der Garage neben der Praxis eine kleine Igelstation für verletzte Igel. Derzeit überwintere ich sechs von Ihnen. Der letzte im Bunde – Hubi – ging im Februar in sein Außengehege. Es war kalt, ich dachte, er geht sofort in den Schlaf. Von wegen – ich weiß bis heute nicht, wie er es geschafft hat – Hubi arbeitete sich eine Nacht aus seinem Gehege und verschwand. Ich war in heller Aufruhr. Ich stellte als erstes eine Wildtierkamera auf und natürlich Futter. Es wurde noch kälter. In der ersten Nacht war klar, Hubi lauerte irgendwo im Gebüsch: Er war am nächsten Morgen auf der Wildtierkamera deutlich mehrmals zu erkennen. Das beruhigte mich etwas. Am nächsten Abend saß ich bereit – kein Hubi. War er nicht mehr da? Das Futter am nächsten Morgen war weg. Wieder die Kamera hingestellt: Wunderbare Fotos von Hubi.

Ich setzte mich die nächste Nacht raus: – 10 Grad Kälte. Ich zog Thermounterwäsche, Boots, Skihose, Winterjacke, Schal, Handschuhe und Mütze an und setzte ich auf einem Thermopolster auf einen Campinghocker rund 3 Meter vom Fressplatz entfernt – und wartete. Und wartete. Und wartete. Es ist unglaublich, wie kalt es wird, wenn man bewegungslos rumsitzt. Es vergingen 40 Minuten, der Kerl war geduldig, ich auch. Schließlich hörte ich ihn kommen. In dem Moment ertönte hinter mir die Stimme meiner besorgten Nachbarin: „Christiane, alles in Ordnung?“. Ehrlich, ich mag sie furchtbar gerne, aber da hätte ich sie gerne auf den Mond geschossen. Hubi war natürlich über alle Berge. Erst da fiel mir auf, dass er mit Sicherheit auch vor mir flüchten würde, wenn ich mich ihm näherte.

Am nächsten Tag dachte ich mir dann eine klassische Cartoon-Falle aus. Gehege auf drei Steinen aufgebockt, Seil dran, ich wieder raus bei Minus 10 Grad. Hubi kam, fraß und ich siegte. Mit einem Ruck zog ich am Seil und die Falle schnappte zu. Ich hatte Hubi wieder eingefangen. Ich war unglaublich zufrieden. (Deutlich auf dem Foto zu sehen.) Ich hatte meinen Fehler wieder gut gemacht und konnte Hubi jetzt endlich in sein Winterquartier einsiedeln – auf unserem Balkon, denn raus kommt der erstmal nicht. Das Gehege steht wind- und wettergeschützt und beschwert, so dass an einen Ausbruch nicht zu denken ist. Und im Moment genießt der kleine Kerl auch immer noch den All-you-can-eat Service. Ich freue mich schon sehr, wenn er dann im Frühjahr zurück zu seinen Findern geht.

In diesem Sinne Ihre igelvernarrte Tierarztfrau

6 Gründe, warum ich manchmal nicht gerne arbeite

Puh, wir starten ins Jahr 2021 und ich komme mit so einem Thema? Ja, denn danach kann ich wieder ein paar lustige Geschichten schreiben, bis mich was Neues aufregt. Jetzt also: Warum ich manchmal nicht gerne arbeite.

  1. Wenn uns Geldgier unterstellt wird

Einer der beliebtesten Vorwürfe ist folgender: „Ihnen geht es nur ums Geld!“
Alternativ dazu: „Sie haben kein Herz für Tiere!“ (wenn wir nicht umsonst arbeiten wollen)
„Ist es nicht Ihre Pflicht, Tieren zu helfen?“ (umsonst natürlich)
Zu allerst: Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen. Wir zahlen Miete, Gehälter, Medikamente, Verbrauchsmaterialien und noch vieles mehr. Daher ist es selbstverständlich, dass wir unsere Leistung berechnen. Das bedeutet nicht, dass wir kein Herz für Tiere haben. Jeder, der uns und viele andere Tierärzte kennt, weiß, dass wir immer versuchen, alles möglich zu machen, aber – und hier gefällt es dann wieder einigen nicht – immer im Sinne und zum Wohl des Tieres. Das bedeutet, dass wir kein Tier einschläfern, weil das günstiger ist als eine Operation. Das bedeutet auch, dass wir eine gründliche Zahnsanierung anbieten, die nicht nur 150€ kostet. Und wer grundsätzlich auf die Finanzen achten muss, für den erstellen wir gerne einen Kostenvoranschlag und sprechen während der Behandlung die Preise ab. Wir möchten die bestmögliche Behandlung anbieten, aber nicht kostenlos!

2. Wenn wir ein Tier erlösen, weil es sich aufgrund einer Qualzucht furchtbar quält.

Zur Qualzucht gehören unter anderem folgende Tiere: alle Hunde mit platten Nasen (sie bekommen keine Luft, siehe Blogbeitrag „Kurznasen“), Schäferhunde, deren Hüftlinie sich derart nach unten neigt, dass die Hüfte bereits bei der Geburt schmerzt, Cavalier King Charles Spaniel, deren Kopf so deformiert gezüchtet wurde, dass er bei einigen aufs Gehirn drückt, Nackthunde und -katzen (kein Fell), Scottish Fold Katzen, deren Ohren nur durch einen Gendefekt entstehen, der den gesamten Knorpel im Körper betrifft und zu schlimmsten Knochendeformationen führt, der Dackel mit seiner langen Wirbelsäule (Bandscheibenvorfälle einprogrammiert), der Shar-Pei, der durch seine Falten keine Mimik mehr zeigen kann – das sind nur einige Tiere, die wir gezüchtet haben, damit sie uns gut gefallen.
Vor einiger Zeit mussten wir ein Tier dieser Art erlösen, es handelte sich um eine Katze, eine Scottish Fold. Die Katze war 1,5 Jahre alt und lief nicht mehr. Alle Füße waren so furchtbar deformiert durch die Erbkrankheit, dass uns selbst das Betrachten der Röntgenbilder weh tat. Die Halter wussten nichts von dieser Erbkrankheit, sie liebten ihre Katze sehr. Wir mussten das Tier erlösen, wer uns kennt, weiß, wie schwer uns das Herz dabei ist. Mal ganz abgesehen von den Tierhaltern, denen das schlimmste passiert ist, was passieren kann: seinen Liebling erlösen, obwohl der so jung ist und eigentlich das Leben noch vor sich haben könnte. Jetzt könnten einige sagen, dass man sich doch da vorher informieren sollte. Ja, das stimmt zwar und die Halter haben das in einer harten Lektion gelernt, aber sollte so eine Zucht nicht einfach verboten werden?

3. Sich einen Hund anzuschaffen, weil man die Rasse „schön“ findet.

Sie wollen sich einen Hund anschaffen? Prima, ein Hund ist toll. Aber informieren Sie sich bitte vorher. Ein Beispiel: Was wollen Sie mit einem Australian Shepherd, wenn Sie keine Schafherde haben? Diese Hunderasse gehört zu den intelligentesten. Sie wurden als Hütehunde gezüchtet und genau das ist ihre Aufgabe. Wenn sie nichts zum Hüten haben, langweilen sie sich. Und dann sucht er sich selbst eine Aufgabe, hütet z.B. die Familie. Es gibt ausreichend Geschichten von verhaltensauffälligen Hütehunden, die eigentlich gar nicht auffällig sind, wenn sie nur das dürften, wofür sie gemacht wurden: hüten.

Und wie finden Sie jetzt den passenden Hund? Es gibt unglaublich tolle Familien- und Begleithunde, die wurden nur für diesen Zweck gezüchtet. Suchen Sie sich aus diesen Rassen einen aus, wenn er nur ein Familienhund sein soll. Informieren Sie sich!

4. Medizinische Behandlung für ein Tier verweigern

Das erleben wir auch: Aus den unterschiedlichsten Gründen werden einem Tier die medizinisch notwendigen Medikamente nicht gegeben. Das beste Beispiel sind Schilddrüsenmedikamente für die Katze. Ja, es ist schwierig, einer Katze Medikamente zu geben. Aber gerade bei einer Schilddrüsenerkrankung ist es notwendig. Katzen haben im Normalfall eine Überfunktion der Schilddrüse, das führt zu schnellerem Herzschlag, schnellerem Stoffwechsel etc. Auf Dauer wird hier das Herz angegriffen, so dass bei einer fehlenden Behandlung das Tier vermutlich an einer Herzerkrankung versterben wird. Sie bekommen die Pillen nicht in das Tier: Holen Sie sich die Medikamte in flüssiger Form. Sie bekommen das auch nicht rein: Es gibt sogar eine Salbe, die Sie in die Ohren einmassieren können. Wenn Sie eine Wildkatze haben, kann ich mir in einigen, wenigen Fällen auch vorstellen, dass es gar nicht geht. Aber niemals gilt das für alle Fälle, die uns vorgestellt werden. Wenn Sie einem Tier Medikamente verweigern, kann es deswegen sterben. Bedenken Sie: Das Tier hat nur Sie!

5. Ein Tier einschläfern wollen, anstatt es abzugeben

Es kommt (selten) vor, dass Halter mit einem Tier zu uns kommen, dass sie einschläfern wollen, wir das aber nicht machen. Vielleicht hat der Halter kein Geld für eine notwendige Operation, vielleicht ist er überfordert, vielleicht will er das Tier auch einfach los werden – das sind alles legitime Gründe, das Tier abzugeben. Denn wenn ein Tier noch eine Chance hat, schläfern wir das Tier nicht ein. Wir bieten dann an, dass das Tier dem Tierheim überschrieben wird und wir es behandeln. Das Tierheim erstattet uns dann einen Teil der Kosten. Was wir aber gar nicht verstehen, ist es, wenn das Tier eingeschläfert werden soll, obwohl es eine Chance hat, nur weil die Halter meinen, es solle nicht ins Tierheim. Wir hatten mal eine Tierhalterin hier, die uns fragte, was sie dann ihren Kindern sagen solle? Ich war ein wenig fassungslos. Einschläfern ist besser als Tierheim? Nur um das einmal ganz klar zu sagen: Das Tierheim ist kein Ort der Hölle. Den Tieren geht es dort gut. Sie haben ein Dach über dem Kopf, Futter, Wasser, Auslauf und sehr viele liebe Leute, die streicheln oder Gassi gehen. Ja, eine eigene Familie ist bestimmt schöner, aber das Tierheim ist kein schlechter Ort. Und auf jeden Fall besser als der Tod!

6. Den Mund-Nasen-Schutz nicht ordentlich tragen

Diesen Punkt tausche ich vielleicht nochmal aus, aber im Moment ist er sehr aktuell. Wir müssen unsere Tierhalter immer wieder darauf hinweisen, dass sie bitte den Mund-Nasenschutz korrekt tragen. Da hängt der unter der Nase, wird ganz runter gezogen oder er wurde ganz vergessen. Wie kann das heute noch sein? Und wenn wir freundlich darauf hinweisen, werden wir angerüffelt. „Ich bekomme keine Luft.“ Wir tragen den ganzen Tag die Masken – wir leben alle noch. Hier muss allen gesagt sein, dass uns unsere Gesundheit sehr wichtg ist. Wenn Sie keine Maske tragen wollen, können Sie uns gerne Ihr Tier vor der Tür überreichen. Aber ohne Maske kommt niemand in unsere Praxis.

Ein Vormittag beim Tierarzt

Liebe Leserinnen und Leser,

zum Jahresabschluss habe ich lange überlegt, was ich schreibe. Gestern sagte eine Kundin zu mir, dass sie gerne mal einen Vormittag Mäuschen spielen würde. Daher kommt heute die Beschreibung eines typischen Vormittags in unserer Tierarztpraxis:
Im Moment haben wir zwei Behandlungsräume, aber – wie gestern – des Öfteren auch drei Tierärzte. Mein Mann operiert vormittags, benötigt daher nur kurz einen Raum. Dennoch ist das gelegentlich mit viel Organisation verbunden, damit die Räume optimal genutzt werden.
Gestern hatte mein Mann eine Zahnsanierung bei einer Katze. Diese hat nahezu alle Zähne gezogen bekommen, das war für den ganzen Vormittag eingeplant. Die Katze und der Halter waren um 8 Uhr bei uns. Mein Mann nimmt die Katze in Empfang, redet mit dem Tierhalter und klärt auf. Dann legt er einen Venenkatheter, die Katze wird schlafen gelegt und kommt zur Zahnsanierung.
Parallel dazu hat unsere Tierärztin Frau Hirtsiefer eine Katze behandelt mit Erbrechen. Da die Katze bereits einmal einen Fremdkörper verschluckt hatte, fertigte sie ein Röntgenbild an. Und siehe da: Auch diesmal wurde Frau Hirtsiefer auf dem Röntgenbild fündig. Eine Operation war unumgänglich. Für den Empfang bedeutet das, sich den Terminplan anzuschauen, zu telefonieren, Termine zu verschieben, um eine möglichst große Lücke zu erzeugen für die OP. Frau Hirtsiefer hat der Katze dann noch Blut abgenommen, ein Schnelltest zeigte eine Herzerkrankung, dementsprechend haben wir vor der OP noch einen Herz-Ultraschall gemacht. Zwei Termine hatte Frau Hirtsiefer trotzdem noch, eine Impfung bei einem Hund und einen Check-Up bei einer Katze. Dann konnte sie mit den OP-Vorbereitungen starten.
Während also Frau Hirtsiefer und mein Mann quasi OP-Vormittage hatten, hielt Frau Dr. Klaus ganz normale Sprechstunde ab. Ein paar Termine von Frau Hirtsiefer hat sie übernommen, damit besagte Lücke enstanden war. Sie hatte am Montagvormittag unter anderem einen Wellensittich zu Untersuchung, ein Huhn in der Nachkontrolle, eine telefonische Beratung bei einer Landschildkröte in Winterruhe, zwei Kaninchen zum Impfen, erneut Wellensittiche mit Durchfall und einen langen Termin, um bei einem Kaninchen den Tränen-Nasenkanal in Sedation, dh. in Narkose zu spülen und zum Röntgen. Sie hat Tupferproben entnommen, um sie ins Labor zu schicken.
Der Empfang hat in der Zwischenzeit telefoniert, Proben angenommen und für den Versand vorbereitet, Proben im hauseigenen Labor durchgeführt, alle anwesenden Kunden mit Medikamenten, Terminen und Informationen versorgt. Dann stand plötzlich eine Dame mit einem Katzenklo am Empfang. Sie hatte Spezial-Streu eingefüllt, mit dem man den Urin sammeln kann. Das sind Silikat-Kügelchen, die nicht saugen. Der Urin läuft durch – mit einer Pipette kann man dann den Urin aufsammeln. Das haben wir gemeinsam gemacht. Schließlich war ausreichend Urin für eine Urinuntersuchung zusammen, wir konnten die Nierenerkrankung ihrer Katze etwas genauer diagnostizieren. Sie ging, wir erstellten ein Sediment, checkten das spezifische Gewicht des Urins und werteten einen Tesstreifen aus. Die Werte trugen wir in die Kartei ein und hinterließen dem zuständigen Arzt eine Nachricht im System, damit im Laufe des Tages ein Rückruf erfolgen konnte. Schließlich war es 12 Uhr. Wir besprachen den Anrufbeantworter neu und gingen in die Mittagspause.
Ich selbst ging dann in die Igelstation und machte dort sauber: Bei allen Boxen die Unterlagen wechseln, frische Näpfe, frisches Futter, Igel wiegen, notieren, Medikamente verabreichen. Gegen 12.30 Uhr war ich auch so weit.
Die Ärzte im OP waren ebenfalls gegen halbs ein fertig. Die Vorbereitung und der OP-Saal blieben so, wie sie waren. Aufgräumt, gesäubert und desinfiziert würde alles noch – aber das war erst am Nachmittag und für heute hatte ich Ihnen einen Vormittag versprochen: Voilá!

Ihre noch-nicht-in-Weihnachtsstimmung-wegen-viel-Trubel Tierarztfrau

Die Suuusiii

Meine Frisörin hat eine Katze, die Susi. Gesprochen wird das aber irgendwie anders. Mit badischem Dialekt klingt das immer sehr charmant nach „Suuusiii“. Wenn ich also beim Frisör bin, dann rede ich gerne mit meiner Frisörin über Tiere. Sie hat eins, wir haben welche – passt. Die kommende Geschichte hat sie mir erzählt und ich habe herzlich gelacht.
Susi wohnt in Kessenich und hat auch Freigang. Eines Tages kam Susi morgens heim und brachte eine richtig dicke Maus mit – 5 Minuten bevor ihr Frauchen zur Arbeit musste. Susi gab die Maus nicht her, begab sich aber in die Küche. Meine Frisörin sperrte Suuusiii flugs ein und baute Barrieren, damit die Maus auch ja nicht hinter den Küchenschränken entwischen konnte. Sie ging zur Arbeit.
Natürlich dachte sie den Vormittag an ihre Katze und das eventuelle Massaker in ihrer Küche. In der Mittagspause wappnete sie sich innerlich. Als sie daheim ankam, schnappte sich sich ein Tupperdöschen – vielleicht war die Maus ja doch noch zu retten.
Als sie die Küchentür öffnete, bot sich ihr folgendes Bild. Susi saß entspannt in der Mitte des Raumes. Vor ihr saß der dicke Mäuserich und putzte sich in aller Seelenruhe. Meine Frisörin sackte den Wanst ein und brachte ihn raus. Bis heute fragt sie sich, ob sie den zarten Beginn einer Freundschaft zerstört hat und über was die beiden den Vormittag wohl philosophiert haben. Es wird wohl Suuusiis Geheimnis bleiben.
Und für meine Lieblings-Frisörin: ein bißchen Übertreibung gehört bei einer Geschichte natürlich dazu, Sie mögen es mir nachsehen!

Ihre frisch-frisierte Tierarztfrau

Das Beitragsbild ist von: Free-Photos auf Pixabay

Elvis auf Freiersfüßen

Unseren Nachbarshund Elvis kennen Sie ja bereits. Er ist ein kleiner Schlawiner. Vor kurzem musste mein Mann wegen eines Notfalls noch in die Praxis. Auf dem Rückweg sah er am Straßenrand einen weißen, kleinen Hund und einen Mann, der versuchte, ihn festzuhalten und sich suchend umsah. 10 Meter weiter wurde meinem Mann klar, dass das unser Nachbarshund Elvis war und er den Mann nicht kannte. Er bremste, parkte das Auto und ging die Straße zurück. Der Mann erzählte ihm, dass er den Hund sicherte, weil er auf der Straße rumgelaufen sei. Als Ansgar ihm sagte, dass das Elvis sei, unser Nachbarshund, war er sehr erleichtert. Aber Elvis wollte auf keinen Fall von seiner amourösen Fährte abgehalten werden und knurrte meinen Mann an. Er rief mich an, ich sollte kommen und helfen. Ich lief los – in Pantoffeln, musste ja schnell gehen. Ich wollte mir gerade einen Scooter mieten, als er wieder anrief. Elvis war doch im Auto und beide zusammen auf dem Heimweg.
In der Zwischenzeit klingelte ich bei unserer Nachbarin. Sie war nicht zuhause. Ich rief sie auf dem Handy an und hörte das Handy drinnen bei ihr klingeln. Mir war sofort klar: Da musste was passiert sein. Bestimmt lag sie ohnmächtig im Haus und Elvis war irgendwie aus dem Garten entwischt. Als ich meinem Mann von meiner Vermutung erzählte, lachte er mich aus. Er meinte, dass Barbara das Handy nur beim Spazieren gehen nicht mitgenommen hatte und ich zu viele Krimis lesen würde. Hmpf.

Wir diskutierten kurz und beschlossen, 15 Minuten zu warten, er zuhause mit Elvis und unseren beiden und ich auf der Straße, Barbara suchend. Nach 2 Minuten sah ich sie schon von Weitem auf mich zukommen. Ich brüllte über die Straße: „Elvis ist bei uns.“, damit sie erstmal keine Sorgen mehr hätte. Sie bestätigte dann, dass sie das Handy beim Gassi gehen zuhause ließe. Elvis war nur 10m von ihr entfernt gewesen und um eine Straßenecke gegangen. Als er bemerkt hat, dass er außer Sicht war, muss er seine kleinen, krummen Beinchen in die Hand genommen und sich aus dem Staub gemacht haben. Als stattlicher Westhighland-Terrier – voll ausgestattet – hatte er schließlich einen Auftrag im Leben. Und irgendwohin musste die Fährte der läufigen Hündin ja führen. Sein Frauchen hätte das bestimmt nicht zugelassen. Was war also die logische Konsequenz: ab durch die Mitte. Als Barbara nämlich eine Sekunde später an der Straßenecke ankam, war von Elvis nichts mehr zu sehen.
Gut, dass mein Mann einen Notfall hatte und ja, ich lese zu viele Krimis.

In diesem Sinne
Ihre viellesende Tierarztfrau

Der Henriette-Hype

Letztens bin ich die Facebook-Beiträge der letzten Zeit durchgegangen. Dabei ist mir wieder der Henriette-Post in die Finger gefallen. Falls jemand den Post nicht kennt, es ging um zwei Igel, die vom Rasenmäher-Roboter verletzt wurden. Der eine hat es geschafft, der andere nicht. Ich habe ein kleines Statement veröffentlicht und gebeten, dass die Besitzer von Rasenmäher-Robotern, diese nicht mehr nachts laufen lassen. Das war an einem Dienstag-Abend.
Als wir am nächsten Morgen zur Arbeit kamen, fragte unsere TFA mich, ob ich gesehen hätte, was mit dem Beitrag passiert sei? Ich verneinte. Sie meinte nur, ich sollte mal schauen. Ich öffnete Facebook und bereits 11 Tausend Menschen hatten diesen gesehen. Es gab 100 Kommentare. Man konnte dabei zusehen, wie sich der Beitrag verbreitete, es gab kein Halten. Die letztliche Zahl waren dann über 3 Millionen Menschen, die den Beitrag gesehen haben. Es gab über 650 Tausend Interaktion und 1.300 Kommentare.
Und dann kam die Presse. Mein Mann steht nicht besonders gern im Rampenlicht, aber was sollte er tun? Schließlich ging es um den guten Zweck. Je mehr Menschen ihren Rasenmäherroboter nicht nachts laufen lassen, um so besser. Der WDR kam, der Generalanzeiger, Sat1 und RTL, jeweils lokal. Und als es schließlich ruhiger wurde und mein Mann fast erleichtert war, klingelte noch die London Times an. Das fand er dann so lustig, dass das eines der wenigen Interviews war, die er gerne gemacht hat.
Die ganze Geschichte ist jetzt über ein Jahr später immer noch absolut unglaublich. Was muss dafür alles passen, dass ein Beitrag so erfolgreich ist? Die Zeit, der Text, die Aufmerksamkeit der Menschen – planen kann man das nicht. Und wenn man sich jetzt vorstellt, das wäre etwas negatives gewesen – da haben wir uns ein wenig gegruselt.
Was das Ergebnis davon war? Ich habe in Bonn eine kleine Igelstation gegründet und sie Igelstation „Henriette“ genannt. Ich ermahne immer noch jeden, keinen Rasenmäherroboter nachts laufen zu lassen. Manchmal darf ich das in Funk und Fernsehen tun (lokal), aber auf 3 Millionen aufmerksame Menschen komme ich dabei nicht.

In diesem Sinne
Ihre Igel-& Tierarztfrau

Mini, der Schreihals

Ich habe mir immer eine Katze gewünscht, die redet. Irgendwie ist das aber beim Universum nicht richtig angekommen. Denn geliefert wurde mir eine Katze, die mich anschreit. Dauernd.

Es ist Futterzeit und ich gehe in die Küche: Mini läuft hektisch hinter mir her und schreit mich an, dass es nicht schnell genug geht.

Ich öffne unserem Kater Murkel die Terassentür, sie hört es aus der Küche und kommt schreiend angelaufen. Wehe ich mache die Tür zu und trenne sie von Murkel.

Der Wecker klingelt im Schlafzimmer, sie steht vor der Tür – und schreit, ist ja wieder Futterzeit.

Ich gehe in die Küche – es ist keine Futterzeit – und hole mir ein Glas Wasser. Mini rennt hinter mir her und schreit.

Ich hebe sie vom Tresen, vom Sofa, von der Decke, vom Tisch – Empörung, Mini schreit mich an.

Und das klingt auch nicht besonders lieblich, es ist ein Mischung aus sirenenartigem Miauen mit einem blechernem Beigeschmack und der ganzen Empörung, die diese kleine Katze aufbringen kann, im Abgang. Ich poste demnächst ein Video…

Ihre angeschrieene Tierarztfrau

Maulkorb

Heute schreibe ich ein Plädoyer für den Maulkorb. Folgende Geschichten haben wir erlebt:

  • Ein Hund kommt als Patient in die Praxis. Die Besitzerin erzählt, der habe sie und ihr Kind bereits gebissen. Sie hat keinen Maulkorb für den Hund und findet es auch schlimm, dass wir dem Hund einen anziehen wollen.
  • Ein Hund reißt sich von der Halterin los, gräbt sich unter einem Zaun durch und reißt drei Hühner, bei dem vierten gelingt es unserer Tierärztin (es waren ihre Hühner), es ihm aus dem Maul zu ziehen. Vorher hat er bereits eine Inline-Skaterin gebissen und weitere Vögel getötet.
  • Eine Tierhalterin hat einen Hund, der schnappt. Sie hat immer einen Maulkorb dabei, der auch noch ganz süß aussieht. Sie kennt alle Situationen, die schwierig sind und zieht souverän ihrem Liebling den Maulkorb an.

Wer ist Ihnen am sympathischsten? Natürlich die vernünftige Halterin, die ihrem Hund den Maulkorb anzieht und so sich und andere schützt. Und wenn es Ihr eigener Hund wäre? Wie empfinden Sie es, wenn Sie Ihrem Liebling einen Maulkorb anziehen müssten? Manche schämen sich, einige halten es für übertrieben, wieder andere denken, dass sie versagen, wenn sie ihren Hund nicht im Griff haben. Aber in so einer Situation darf nur eine Regel gelten: der Schutz Fremder und der eigene Schutz. Und wenn Sie dann vielleicht den ein oder anderen Blick abbekommen wegen des vermeintlichen „Kampfhundes“ an Ihrer Leine, kann Ihnen das egal sein, Sie zeigen Verantwortung. Da dürfen Sie stolz drauf sein, denn mit Maulkorb würden die Hühner noch leben, es wäre kein Kind gebissen worden und auch die Inline-Skaterin hätte nicht ins Krankenhaus gemusst.

Wenn Sie also mit Ihrem Hund mit Maulkorb in unsere Praxis kommen, dann können Sie sicher sein, dass ich Ihnen innerlich applaudiere!

In diesem Sine
Ihre moralische Tierarztfrau